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Bury, Johann Friedrich Kurprinzessin Auguste von Hessen-Kassel, die Sixtinische Madonna kopierend. Aquarell und Deckfarben. 23,4 x 18,1 cm. Um 1808. Der Maler Friedrich Bury lebte und arbeitete zwischen 1782-1799 in Rom, wo er einige Jahre mit Wilhelm Tischbein eine Wohnung teilte und anschließend dem engeren Kreis um Goethe angehörte, dessen Hausgenosse er ebenfalls wurde. In Rom zeichnete Bury viel nach der Antike und wurde durch seine Aquarell-Kopien nach Michelangelo, Raphael und den Carraccis bekannt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er unter anderem mehrere Jahre in Berlin als Historienmaler und Porträtist tätig. Bury verfügte außerdem über exzellente Verbindungen zum preußischen Hofe. Er stand in einer engen Beziehung zu der dargestellten Augusta, geb. Prinzessin von Preußen (1780-1841), einer Tochter König Friedrich Wilhelms II., die seit 1797 mit dem Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel verheiratet war. Während der napoleonischen Kriege wurde das fürstliche Paar 1806 von den Franzosen aus Kassel vertrieben und fand am Berliner Hof Zuflucht. Hier erteilte Bury der Prinzessin und ihrer Schwester Wilhelmine von Nassau-Oranien Malunterricht. König Friedrich Wilhelm III. erwarb von Bury eine Kopie der Sixtinischen Madonna Raphaels, die über dem Schreibtisch des Monarchen im Roten Eckzimmer seines Palais hing. Augusta von Hessen-Kassel, die selbst eine verdienstvolle Malerin war, wurde von Bury wenigsten viermal porträtiert. Unser Aquarell zeigt sie in Halbfigur, vor der Staffelei sitzend, während sie an einer Kopie der Sixtinischen Madonna arbeitet. Die Prinzessin ist bemerkenswert informell dargestellt: sie trägt ein einfaches, dunkles Kleid mit Spitzenkragen, ein weites rotes Umschlagtuch hängt von der Lehne ihres Stuhls und bedeckt ihre Beine. In ihrer linken Hand hält sie die Malerpalette, während ihre erhobene Rechte an den Malstock angelehnt ist. Das Gemälde auf der Staffelei zeigt nur das obere Drittel von Raphaels berühmtem Altarbild, dessen obere Bildkante wiederum von der Spitze der Staffelei überragt wird. Burys Komposition betreibt ein geistreiches, hintergründiges Spiel mit zwei Ebenen, der dargestellten Person und dem Bild im Bild. Der Maler hat Augusta so postiert, daß sie die Madonna größtenteils verdeckt, während das Jesuskind sich an die Prinzessin anzuschmiegen scheint. Sie trägt nunmehr die Aureole Marias und wird durch dieses Attribut zusätzlich geadelt. Burys koloristische Behandlung ist von bestechendem Reiz. Das tiefe Rubinrot des an den Säumen verzierten Tuches bildet einen kraftvollen, sonoren Kontrast zu dem dunklen Kleid und zu den kühlen Grün-und Blautönen des Altarbildes, während das sehr fein modulierte Inkarnat und die sensible Behandlung von Augen, Nase und Mund den Blick des Betrachters auf das schön gebildete Gesicht der Augusta lenken. Das vollkommen farbfrisch erhaltene Blatt dürfte auf Grund des Alters der Prinzessin um 1808 entstanden sein. Provenienz: Sammlung Werner Strähnz, Leipzig (der Stempel zweimal verso, Lugt 4643). Kunsthandlung Nicolaas Teeuwisse, Berlin (2006). Berliner Privatsammlung. Lit.: Katharina Bott (Hrsg.): Der Maler Friedrich Bury (1763-1823). Goethes "zweiter Fritz", Ausst. Kat. Hanau und Weimar 2013, S. 220, WVZ Gr 100. - Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist. - Please ask for condition reports for individual lots, as the condition is usually not mentioned in the catalogue.
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