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Tilman Riemenschneider und Werkstatt Kruzifix Corpus wohl Linde, mit mehreren polychromen Fassungsschichten; Kreuz mit Vertikalbalken vermutlich aus Linde mit Resten ehemaliger Polychromie, Horizontalbalken aus Kiefern- oder Lärchenholz. Vollplastisch ausgearbeiteter Korpus, in gespannter gerader Position mit drei Nägeln am (späteren, mit Flachschnitzerei verzierten) Kreuz befestigt. Der bärtige Kopf mit Dornenkrone nach links geneigt, eine gelockte Haarsträhne in die linke Achselhöhle und eine weitere auf die rechte Brustseite fallend. Die Enden der um die Hüften geschlungenen und zwischen den Beinen durchgeführten Tuchdraperie zu beiden Seiten flatternd. Beide Arme und der linke Ausschwung der Tuchdraperie ergänzt, die Farbfassung übergangen. Der vertikale Kreuzbalken oben und unten gekürzt, möglicherweise aus derselben Epoche, die Horizontalbalken wohl ergänzt. Korpus H ca. 90; B 84 cm; Kreuz H 130; B 99 cm. Gutachten Dr. Albrecht Miller,10.2.2026. Provenienz Slg. Georg Schuster (1869–1937), München, bis 1937. – Julius Böhler, München, 17.-18.3.1938, Lot 129. – dort ersteigert von Henri Heilbronner als Vermittler für Julius Böhler, München, und am 7.4.1938 angekauft von Julius Böhler, München. – am 9.1.1941 erworben von August Neuerburg (1884–1944), Hamburg. – Bis 2023 Familie Georg Schuster. – Neumeister, München, Jubiläumsauktion, 20./21.9.2023, Lot 202. – Süddeutsche Privatsammlung. Literatur H. Wilm: Die Sammlung Georg Schuster, München 1937, S. 26, Abb. 36 b, Taf. 18. – H. Wilm: Die Sammlung Georg Schuster in München 1937, Pantheon, XX (1937), S. 293–301. – R. Kahsnitz: Tilman Riemenschneider. Zwei Figurengruppen unter dem Kreuz Christi, in: Bayerisches Nationalmuseum München, München 1997, S. 13ff. – Ausst.-Kat. Washington 1999/2000: Tilman Riemenschneider. Master Sculptor of the Late Middle Ages, Washington 2000, Nr. 33 (die Kreuzigungsgruppe, heute im Besitz Hessisches Landesmuseum Darmstadt). – Ausst.-Kat. Würzburg 2004: Tilman Riemenschneider – Werke seiner Blütezeit, Regensburg 2004, Nr. 30ff. Die hervorragende Schnitzqualität dieses Gekreuzigten ist evident. Jedes Detail der Anatomie, der Gesichtszüge wie auch das fein gefältelte Tuch mit den flatternden Enden verweisen auf die publizierten Kruzifixe gleichen Typs in Darmstadt, in der Pfarrkirche Aub, in der Pfarrkirche Detwang, in der Ev. Pfarrkirche St. Matthäus in Heroldsberg, im Kloster der Vinzentinerinnen in Graz und im ehemaligen Mainfränkischen Museum, heute Museum für Franken Würzburg, die im Zeitraum 1485 bis 1510 realisiert wurden. Aufgrund seiner Tätigkeit als Stadtrat und später als Bürgermeister von Würzburg war Tilman Riemenschneider spätestens ab 1505 gezwungen, seinen Werkstattbetrieb personell aufzustocken. Zu seinen Lehrlingen kamen nun zeitweilig für ihn arbeitende Wandergesellen und Spezialisten für seine Materialien: Lindenholz, Sandstein, Alabaster. Die meisten der späteren Werke sind Werkstattarbeiten, die aber bei ihm bestellt wurden und für deren Qualität sein Name bürgte. Letztendlich hat er diese Arbeiten auch beaufsichtigt und zur Auslieferung freigegeben. Die meisten seiner Skulpturen sind das, was wir heute als holzsichtig bezeichnen. Riemenschneider beschäftigte keine Fassmaler und Vergolder, vergab aber Aufträge für polychrome Fassungen. Auch unter der späteren Polychromie dieses Kruzifixes befindet sich eine frühere Malschicht. Nach seiner Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert entwickelte sich um Tilman Riemenschneider und seine Werke ein Mythos. Er gilt seit fast 200 Jahren als der bedeutendste aller Bildschnitzer des Heiligen Römischen Reichs. Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt; man vermutet, dass er um das Jahr 1460 in Heiligenstadt in Thüringen zur Welt kommt. Um 1465 zieht die Familie in den Harz, nach Osterode. Erst um 1479 taucht der Name Tilman Riemenschneider archivalisch wieder im Zusammenhang mit dem St. Annenaltar im Stift Haug in Würzburg auf. Das nächste belegte Datum ist erst wieder das Jahr 1483, als er Mitglied der Lukasgilde in Würzburg wird. Zwei Jahre später heiratet er die verwitwete Anna Schmidt, geborene Uchenhofer, wird Würzburger Bürger und Meister. 1490 unterzeichnet er einen Vertrag mit dem Stadtrat von Münnerstadt für ein Altarretabel in St. Maria Magdalena, das er mit Verspätung fertigstellt – statt wie vereinbart zu Ostern, fertiggestellt 1492. Am 5. Mai 1491 folgt ein Vertrag mit der Stadt Würzburg für zwei Skulpturen, Adam und Eva, die erst im September 1493 vor dem Portal der Marienkapelle Aufstellung finden. In den darauffolgenden Jahren ist er äußerst gefragt, zeichnet Aufträge für die Stadträte von Windsheim, Bamberg, Rothenburg und mit dem Würzburger Fürstbischof Lorenz von Bibra. 1504 wird er in den Stadtrat von Würzburg gewählt und hat im folgenden Jahr die Ehre, als Repräsentant der Stadt Kaiser Maximilian begrüßen zu dürfen. Nach dem Tod seiner ersten F
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