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Kuttenheiliger Italien Im Weichen Stil um 1380-1400 Nussholz geschnitzt Höhe 51,5 cm Auf späterem Holzsockel Um 1400 entwickelte sich in der europäischen Skulptur eine Formensprache, die durch weich fließende Gewänder, geschwungene Konturen und eine verfeinerte Gestaltung der Figuren bestimmt ist. Der im deutschsprachigen Raum als „Weicher Stil“ bezeichnete Ausdruck steht im Zusammenhang mit der Internationalen Gotik, die auch in Italien vielfältige regionale Ausprägungen fand. In der italienischen Bildhauerkunst begegnen entsprechend weich modellierte Gesichtszüge und üppige, rhythmisch geordnete Faltengebilde, welche die körperliche Erscheinung der Heiligen zugleich verhüllen und plastisch erweitern. In diesem stilistischen Zusammenhang lässt sich der vorliegende, als italienische Arbeit um 1380-1400 eingeordnete Kuttenheilige betrachten. Die aus Nussholz geschnitzte Figur besitzt einen langgestreckten Körper, dessen Haltung unter der weitgehend geschlossenen Gewandung nur zurückhaltend hervortritt. Während der Stoff stellenweise flach am Körper anliegt, entfaltet er sich an den Armen und Seiten in üppig herabhängenden Falten. Der bis zum Hals reichende Überwurf bildet vor dem Oberkörper unterschiedlich ausgeformte, gerundete Schüsselfalten. Mehrere übereinanderliegende Stoffbahnen vermitteln den Eindruck eines um den Körper geführten Mantels. Die seitlich ausschwingenden Faltenpartien erweitern die Silhouette und verleihen der schmalen Gestalt zusätzliches Volumen. Unter dem untersten Gewandsaum treten die Schuhe hervor. Das Wechselspiel zwischen körpernahen Flächen und weich ausgreifenden Stoffmassen entspricht der dekorativen Gewandauffassung der Zeit um 1400. Die langgestreckten Proportionen und die plastisch hervortretenden Faltenbahnen lassen zugleich an die von Giovanni Pisano geprägte Figurenauffassung der italienischen Gotik denken. Besonders die Verbindung von körpernah geführtem Stoff und seitlich ausgreifenden Gewandpartien bietet einen Ansatzpunkt für diesen Vergleich. Als früheres Beispiel einer mit Pisano verbundenen Formensprache kann der „Apostel oder Prophet“ aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Walters Art Museum in Baltimore herangezogen werden (Inv.-Nr. 71.245), dessen markante Physiognomie und nachdrücklich modellierte Draperie vom Museum mit Werken des Bildhauers in Beziehung gesetzt werden. Bei dem vorliegenden Kuttenheiligen wäre entsprechend an eine spätere, beruhigte Fortführung solcher Gestaltungsprinzipien innerhalb der weicheren Gewandauffassung um 1400 zu denken. Das Gesicht wird von einem kurzen, annähernd zum Vollbart erweiterten Kinnbart gerahmt, der unter den großen Ohren endet. Über der Stirn und an den Seiten verläuft ein durch feine Kerbschnitte gegliederter Haarkranz um die geschorene Schädelkalotte. Diese Tonsur kennzeichnet den Dargestellten als Geistlichen beziehungsweise Ordensmann. Wellenförmig ineinander übergehende Brauengrate überspannen die mandelförmigen Augen. Der davon abgesetzte Nasenansatz, die gerade Nase und der volle, geschlossene Mund verleihen der Physiognomie eine prägnante und zugleich ruhige Wirkung. In der erhaltenen Hand hält der Heilige ein Buch, das auf die Heilige Schrift, gelehrte Tätigkeit oder die Vermittlung des Glaubens verweisen kann. Die andere Hand fehlt; ein möglicherweise dort gehaltenes Attribut ist nicht überliefert. Kutte, Tonsur und Buch charakterisieren die Figur allgemein als heiligen Ordensmann. Die heute auf einem späteren Holzsockel aufgestellte Skulptur könnte ursprünglich zu einem größeren sakralen Figurenensemble gehört haben, etwa zu einem Altarretabel oder einer Folge von Ordensheiligen. Ihre schlanken Proportionen und die sorgfältig gegliederte Gewandung wären mit einer solchen Einbindung vereinbar. Die ruhige Präsenz des Heiligen und die weich bewegte Draperie verleihen der Figur eine anschauliche Wirkung zwischen klösterlicher Sammlung und der gestalterischen Eleganz der Gotik um 1400.
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