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live 2. Dezember | 03:00 PM
Tiberius auctions

774 - Sedes Sapientiae

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Sedes Sapientiae Auvergne? Vor 1200 Basaltstein Korpus wohl original, Stein in späterer Zeit überarbeitet Höhe 72 cm, Breite 23,5 cm, Tiefe 25 cm Die französische Skulptur der Romanik entwickelte eine eindringliche Bildsprache, in der plastische Geschlossenheit, klare Ordnung und ausdrucksstarke Stilisierung der Vermittlung religiöser Inhalte dienten. Neben den umfangreichen Bildprogrammen an Kirchenportalen und Kapitellen besaßen plastische Andachts- und Kultbilder eine besondere Bedeutung. Unter ihnen nehmen die thronenden Madonnen der Auvergne einen herausragenden Platz ein. Ihre frontale Haltung und feierliche Unbewegtheit vergegenwärtigen die überzeitliche Würde der Gottesmutter und ihres Kindes. Die vorliegende Darstellung folgt dem als Sedes Sapientiae, „Thron der Weisheit“, bezeichneten Bildtypus: Maria sitzt auf einem Thron und wird ihrerseits zum lebendigen Thron Christi, der als menschgewordene göttliche Weisheit verstanden wird. Das Kind erscheint dabei bereits als segnender und lehrender Gottessohn. Das Buch in seiner Hand verweist auf das göttliche Wort und unterstreicht diesen theologischen Gehalt. Der Bildtypus fand im Frankreich des 12. Jahrhunderts besondere Verbreitung. Maria und das auf ihrem Schoß sitzende Kind sind vollständig in lange Gewänder gehüllt. Die aufrechte Haltung der Gottesmutter und der geschlossene Umriss verleihen der Gruppe eine strenge, nahezu architektonische Wirkung. Diese Ordnung wird durch die seitliche Position des Kindes auf Marias linkem Knie etwas belebt. Während beide Figuren ihren Blick nach vorne richten, stellt die linke Hand der Mutter, die das Kind an der Schulter umfasst, eine unmittelbare Verbindung zwischen ihnen her. Ihre rechte Hand dürfte ursprünglich Attribut gehalten haben. Besondere Aufmerksamkeit verdient der aufwendig gestaltete Thronsessel. Seine Lehne besitzt eine an romanische Rundbogenarchitekturen erinnernde Gliederung. Vier kleine, sitzend oder kniend erscheinende Figuren bilden die Stützen des Thrones; selbst ihre Gewänder sind durch gerundete Schüsselfalten differenziert. Innerhalb der Komposition treten sie als Trägerfiguren auf und unterstreichen die Bedeutung der darüber thronenden Gottesmutter. Eine weiterführende Identifizierung als Evangelisten oder deren Interpretation als schützend-apotropäische Figuren wäre möglich. Über ihrem Kleid trägt Maria einen reich ornamentierten Mantel. Zickzacklinien und Punktreihen kennzeichnen die Bordüren und lassen an kostbar verzierte Textilien denken. Das an der Vorderseite erscheinende Vogelmotiv ergänzt diesen Schmuck. Eine Deutung als Taube des Heiligen Geistes wäre passend; es könnte aber auch lediglich als schmückendes Ornament dienen. Auf der Rückseite begegnen ein kreuzförmiges Zeichen sowie im Schulterbereich ein achtförmiges Schlingenmotiv, das an ein Unendlichkeitssymbol erinnert. Lange, annähernd parallele Faltenzüge gliedern den Körper und fallen stellenweise wie Kanneluren zur Bodenplatte herab, unter deren Gewandsaum die Füße sichtbar werden. Geradlinige und schüsselförmige Faltenmotive bereichern diese lineare Ordnung. Das Schleiertuch geht optisch in die Gewandung über; darunter treten auf der Stirn einzelne Haarsträhnen hervor. Marias längliches Gesicht wird von kräftigen Brauengraten, großen mandelförmigen und plastisch hervortretenden Augen, einer geraden Nase sowie einem ausgeprägten Philtrum bestimmt. Der breite, geschlossene Mund und das kleine Kinngrübchen verstärken einen eher strengen Ausdruck. Das Christuskind wiederholt wesentliche Züge der mütterlichen Physiognomie. Sein Haar ist in kurze, deutlich voneinander abgesetzte Strähnen gegliedert. Die rechte Hand ist zu einem Segens- beziehungsweise Redegestus erhoben, während die linke das Buch umfasst. Ein Punktmuster am Gewandausschnitt und zahlreiche Faltengrate verleihen auch seiner Kleidung eine ornamental bestimmte Struktur. Einzelne Oberflächendetails wurden wohl in späterer Zeit nachgearbeitet. Davon zu unterscheiden ist die plastische Grundanlage: Der kompakte Aufbau, die hieratische Haltung und die enge Zusammenfassung von Thron, Mutter und Kind lassen einen älteren, möglicherweise romanischen Kern vermuten. Die vorgeschlagene Datierung vor 1200 bezieht sich daher auf diesen mutmaßlichen Grundbestand. Die genaue Abgrenzung späterer Eingriffe bleibt einer Untersuchung der Steinoberfläche, der Werkzeugspuren und des Erhaltungszustands vorbehalten. Als zeitlich passende Vergleichswerke sind mehrere thronende Madonnen aus der Auvergne anzuführen. Die um 1150 entstandene „Vierge en Majesté“ im Musée du Louvre in Paris (Inv.-Nr. RF 987) vertritt den Bildtypus in einer aus Nussholz gearbeiteten Fassung. Einen weiteren Bezugspunkt bietet die „Virgin and Child in Majesty“ im Metropolitan Museum of Art in New York, um 1175–1200 (Inv.-Nr. 16.32.194a, b). Ihre geschlossene Anlage und die feierliche Präsentation des Kindes veranschaul

Auktion

23. Tiberius Auction - Day 2
Mittwoch, 2. Dezember
03:00 PM
Neue-Welt-Gasse 21-23
1130 Wien, Österreich

Auktionshaus

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