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Romanische Doppelsäule mit vegetabil verziertem Doppelkapitell Frankreich 12./13. Jahrhundert Kalkstein Höhe 206 cm, Breite 55 cm, Tiefe 36 cm Die Bauplastik nahm in der französischen Romanik eine zentrale Stellung ein. An Kirchenportalen, Kapitellen und in Kreuzgängen verbanden sich architektonische Funktionen mit figürlichen und ornamentalen Bildprogrammen. Neben biblischen Szenen begegnen Tiere, fantastische Wesen und menschliche Köpfe in vielfältiger Verbindung mit pflanzlichem Dekor. Charakteristisch sind die Anpassung der Motive an die vorgegebene Steinform, ihre betonte Stilisierung und das Wechselspiel zwischen flächigem Ornament und plastisch hervortretenden Figuren. Das vorliegende Architekturstück besteht aus zwei schlichten, zylindrischen Säulenschäften auf einer gemeinsamen, durch Wülste und kantige Übergänge gegliederten Basis. Darüber erhebt sich ein Doppelkapitell mit durchlaufender Deckplatte. Ein flach gearbeiteter vegetabiler Fries bildet den oberen Abschluss. Darunter entwickeln sich aus stilisierten Blattformen große, rundlich eingerollte Blütenknospen, die plastisch hervortreten. Kleinere Blattknäufe darunter ergänzen die gestaffelte Anordnung. Die weichen Übergänge zwischen Blattflächen und plastischen Rundformen verleihen dem Dekor eine organisch zusammenhängende Wirkung. Vergleichbare Gestaltungsprinzipien begegnen an französischen Doppelkapitellen in den Met Cloisters. Die dort im sogenannten Bonnefont-Kreuzgang versammelten Kapitelle besitzen unter anderem auch eingerollte Blütenknospen in zwei Registern. Das Ensemble wird in das späte 13. und 14. Jahrhundert datiert (Inv.-Nr. 25.120.531–1052). Mehrere seiner Kapitelle stammen nach heutiger Kenntnis aus einem Franziskanerkloster in Tarbes; weitere werden anderen Bauten derselben Region zugeordnet. Das vorliegende Stück erinnert an dieses südfranzösische Formenrepertoire, zeigt jedoch eine kompaktere, weniger deutlich voneinander abgesetzte Gestaltung der vegetabilen Elemente. Das vorliegende Doppelkapitell kann daher stilistisch früher eingeordnet werden. Die knospenartigen Formen verbinden pflanzliches Wachstum mit architektonischer Ordnung: Ihre plastische Ausformung vermittelt zwischen den schlanken Säulenschäften und der breiten Deckplatte. Im kirchlichen Zusammenhang konnte vegetabiler Schmuck Vorstellungen von Wachstum, Lebenskraft und paradiesischer Fülle aufrufen und gehört zum vielseitigen ornamentalen Repertoire mittelalterlicher Bauplastik.
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