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NANAI-FIGUR NANAI, AMUR, OSTSIBIRIEN, ANFANG DES 20. JAHRHUNDERTS Aus Lärchenholz geschnitzt, darstellend eine anthropomorphe Figur mit rautenförmigem Gesicht und ausgeprägter Stirnlinie, mit rechteckigem Oberkörper und angewinkelten Beinen 34,5 cm hoch Provenienz: Galerie Frédéric, Paris, Frankreich Arnaud Kurc, Paris, Frankreich Privatsammlung, Belgien Privatsammlung, London, von der oben genannten Sammlung erworben In der Kultur des Nanai-Volkes im mittleren Amur-Becken wurde bei einer geistigen oder körperlichen Erkrankung eines Menschen ein Schamane hinzugezogen, um festzustellen, welcher Geist das Problem verursachte. Der Schamane beauftragte einen Handwerker mit der Anfertigung einer Holzfigur, die als Gefäß für den Geist dienen sollte. Diese durfte nur mit einer Axt oder einem Messer gefertigt werden – daher das hier zu sehende charakteristische „gehackte“ Aussehen –, und man durfte nur davon sprechen, dass sie „gefertigt“ worden sei, nicht jedoch „geschnitten“ oder „gesägt“. Die Figur durfte keine Augen, Arme oder Nasenlöcher haben, da man glaubte, dass der Geist, wenn er in einer Figur mit diesen Merkmalen eingeschlossen wäre, den Menschen in seiner Umgebung Schaden zufügen könnte. Nach der Fertigstellung schnitt der Schamane alle bösartigen Erscheinungsformen des Geistes weg und übertrug den Geist in seine Holzfigur. Dadurch verwandelte sich der Geist von einem „Sevhe“ (ein freier Geist und Schutzpatron der Naturelemente) in einen „Sevhen“ (den eingeschlossenen Geist); der vom Schamanen besänftigte „Sevhen“ fungierte dann als Assistent des Schamanen, wobei mächtigere Schamanen oft mehrere „Sevhen“ hatten.
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