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JOAN MIRÓ (Barcelona, 1893 – Palma de Mallorca, 1983). „Frau, die einen Vogel fängt“. Bleistift auf Zeitungspapier. Signiert in der rechten unteren Ecke. Literaturhinweis: Jacques Dupin und Ariane Lelong-Mainaud, Joan Miró Catalogue Raisonné. Zeichnungen, Band V: 1977, Paris, 2015, Nr. 3464, S. 108 (abgebildet) Maße: 20,6 × 33 cm; 49 × 61 cm mit Rahmen. In „Femme attrapant un oiseau“ verdichtet Joan Miró mit außergewöhnlicher Mittelökonomie einige der wesentlichen Elemente seiner Bildsprache: die weibliche Figur, den Vogel, das Zeichen und die Ausdehnung des Raums. Auf einem so alltäglichen Medium wie Zeitungspapier setzt der Künstler eine flinke, durchgehende und lebendige Linie ein, die die Szene in eine echte Form der visuellen Schrift verwandelt. Die Figur und der Vogel werden nicht durch eine Erzählung konstruiert, sondern durch eine Syntax aus Kurven, Punkten und im Raum schwebenden Formen. Die Zeichnung wird so zu einem Raum äußerster Freiheit, in dem die Linie gleichzeitig als Umriss, Geste und poetisches Zeichen fungiert. Die Verwendung von bedrucktem Papier führt zudem eine Dimension der Modernität und des Zufalls ein: Die darunterliegende, kaum wahrnehmbare Typografie bleibt als Echo der realen Welt erhalten, über das Miró sein eigenes Zeichensystem legt. Das Paar aus Frau und Vogel, ein wiederkehrendes Motiv in der Ikonografie des Künstlers, verweist auf grundlegende Ideen seiner Vorstellungswelt: Fantasie, Sehnsucht, Flug und Metamorphose. In diesem Werk sollte die Geste des „Fangens“ des Vogels nicht wörtlich verstanden werden, sondern vielmehr als Metapher für den Schaffensprozess – verstanden als das Einfangen eines flüchtigen Bildes genau in dem Moment seines Erscheinens. In diesem Zusammenhang erweist sich das Werk als paradigmatisches Beispiel für Mirós Fähigkeit, eine scheinbar spontane Zeichnung in eine eigenständige visuelle Struktur zu verwandeln, in der die Einfachheit der Linie eine poetische Sprache von großer formaler Präzision und symbolischer Kraft zum Ausdruck bringt. Joan Miró war eine der führenden Persönlichkeiten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Als Vertreter des Surrealismus und Schöpfer einer ganz eigenen künstlerischen Sprache schuf er Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Keramik, Druckgrafik und Kunst im öffentlichen Raum. Seine Werke sind in Institutionen wie der Fundació Joan Miró in Barcelona, der Fundació Pilar i Joan Miró auf Mallorca, dem MoMA in New York, dem Centre Pompidou in Paris und dem Museo Reina Sofía in Madrid vertreten.
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