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Rudolf Levy 1875 Stettin - 1944 Auschwitz - "Stilleben mit Keramikkrug, Flasche und Früchten" - (1911) Öl/Lwd. 65 x 81 cm. 85,5 x 102 cm (Maß mit Rahmen). Sign. und dat. r. o.: R Levy / (19)ii. Rahmen. Leichter Farbverlust im mittleren oberen Bereich. - Provenienz: Wallraf-Richartz Museum (Inventarnummer: 1204) 1912-1937 - Deutsches Reich / Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin 1937 - Berlin, Depot Schloss Schönhausen 1938-1939 - Luzern, Galerie Fischer - Versteigerung Auktion "Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen", 30/06/1939, Nr. 77, SFr. 610.- - Luzern, Dr. Ehret - Privatbesitz Detmold - Literatur: Thesing, Susanne. Rudolf Levy (1875 - 1944). Leben und Werk. Nürnberg 1990, Nr. 22 (mit ganzseitiger Abbildung auf Seite 78). - Ein Zertifikat des Art Loss Registers (ALR Ref: S00277160) London 15. Oktober 2026 vorliegend. Das 1911 entstandene Stillleben zählt zu den Hauptwerken jener Jahre, in denen Rudolf Levy in Paris zum engsten Kreis um Henri Matisse gehörte. Als einer der ersten Schüler der 1908 gegründeten Académie Matisse und als zentrale Figur der deutschen Künstlerrunde im Café du Dôme verband Levy die leuchtende Farbigkeit der Fauves mit dem bildnerischen Erbe Cézannes. Beides wird hier sichtbar: Die gekippte Tischfläche, das schwer fallende weiße Tuch und die aus Farbflächen gebauten Früchte verweisen auf Cézanne. Das kräftige Türkis des Vorhangs und das glühende Rotbraun des Hintergrunds zeigen dagegen Levys fauvistische Palette. Gemeinsam mit "Cassis I" (Los 271) aus demselben Jahr bietet die Auktion zwei Arbeiten aus dieser zentralen Werkphase. Bereits 1912, kurz nach seiner Entstehung, erwarb das Wallraf-Richartz-Museum in Köln das Gemälde. Das ist ein früher Beleg für die Anerkennung, die Levy in Deutschland genoss. 1937 wurde es im Zuge der Aktion "Entartete Kunst" beschlagnahmt. 1939 gelangte es in die Versteigerung "Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen" der Galerie Fischer in Luzern, mit der das NS-Regime beschlagnahmte Werke gegen Devisen verkaufte. Levy selbst verließ Deutschland 1933 und lebte zuletzt in Florenz. Dort wurde er 1943 verhaftet und 1944 nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde. Die Geschichte des Bildes spiegelt damit exemplarisch Aufbruch, Verfemung und Zerstörung der deutschen Moderne.
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