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Koimesis (oder der Tod Mariens) – Ende des 17. Jahrhunderts Mit Öl angereicherte Temperamalerei auf Holz Höhe x Breite: 41 x 30 cm Dieses Werk gehört zur orthodoxen ikonografischen Tradition des balkanisch-russischen Raums. Die Komposition gibt eines der tiefgründigsten und am stärksten kodifizierten dogmatischen Bilder der byzantinischen Tradition originalgetreu wieder; sie stellt keinen biologischen, physischen Tod dar, sondern vielmehr einen friedlichen Übergang in das himmlische Reich, der durch ein kraftvolles Wechselspiel zwischen dem Körperlichen und dem Geistigen zum Ausdruck kommt. Die Jungfrau liegt horizontal auf einer Totenbahre, gehüllt in das traditionelle *Maphorion*, das ihre irdische, sterbliche Natur symbolisiert. Ganz in der Mitte, entlang einer vertikalen Achse, steht die monumentale Gestalt des verherrlichten Christus, umgeben von einer mystischen *Mandorla* – einem mandelförmigen Lichthof. In seinem linken Arm hält er eine kleine, in weiße Windeln gewickelte Gestalt: Dies ist die *animula* – die reine Seele Marias, die gerade in das ewige Leben hineingeboren wurde. Es handelt sich um ein theologisches Paradoxon von außerordentlicher Intensität, das die Rollen vertauscht: Er, der einst als Säugling von Maria genährt und gewickelt wurde, wiegt nun die Seele seiner Mutter, um sie im Himmel willkommen zu heißen. Um die Bahre herum versammelt sich eine Schar von Trauernden. Im Hintergrund, hinter den Aposteln, erscheinen die mit Heiligenscheinen umgebenen Gestalten von Bischöfen und Kirchenvätern – traditionell als Dionysius Areopagita und Jakobus, der Bruder des Herrn, identifiziert –, vor dem Hintergrund einer idealisierten Architektur, die für die postbyzantinische Malerei charakteristisch ist. Die Inschrift am oberen Rand, die teilweise in altslawischen und kyrillischen Schriftzeichen lesbar ist, bestätigt den kulturellen Ursprung des Werks. Stilistisch spiegelt das Werk die Meisterschaft des Ikonographen wider, der hier als visueller Theologe fungiert. Obwohl die Komposition tief in der mittelalterlichen Tradition verwurzelt bleibt – was sich im Fehlen einer westlichen geometrischen Perspektive und im zweidimensionalen Charakter des Hintergrunds zeigt –, offenbart die Farbpalette eine für das 17. Jahrhundert charakteristische Lebendigkeit. Der visuelle Kontrast wird vom tiefen Zinnoberrot der Leichenbahr-Abdeckung dominiert, das mit den warmen Ocker- und Goldtönen der Gewänder und architektonischen Elemente in Wechselwirkung tritt. Der historische und sammeltechnische Wert des Gemäldes wird durch eine außergewöhnliche und seltene Dokumentationsschicht weiter gesteigert, die auf der Rückseite der Holztafel vollständig erhalten geblieben ist.Ein runder Papierstempel des *Gouvernement du Grand-Duché de Luxembourg* (vermutlich vom Ministerium für Kunst oder vom luxemburgischen Zoll) zeugt davon, wie dieses Stück des östlichen künstlerischen Erbes in westliche diplomatische oder private Sammlerkreise gelangte. Unter diesen Stempeln befindet sich der ursprüngliche technische Restaurierungsbericht vom 1. Juni 1982; er beschreibt einen behutsamen Konservierungsprozess, der die Schädlingsbekämpfung, die Konsolidierung des Holzträgers mittels Holzeinlagen, eine kontrollierte chemische Reinigung der Malschicht mit flüchtigen Lösungsmitteln sowie die Stabilisierung von losem Pigment umfasste. Bei dieser Maßnahme wurde das dichte Netz aus Oberflächenrissen – eine tiefe, viereckige Craquelure, die als authentisches biologisches Zeugnis und als „Fingerabdruck“ der jahrhundertelangen Alterung von Gips und Tempera dient – sorgfältig erhalten. Etwaige Fehlstellen in der Malschicht wurden ausschließlich durch „Tratteggio“ (tonale Schraffur) mit Aquarellfarben behoben. Heute befindet sich das Werk in einem ausgezeichneten Erkennbarkeitszustand und ist durch einen leichten Abschlusslack geschützt, was für Kenner der frühen sakralen Kunst eine außergewöhnliche Gelegenheit darstellt. Zustandsbewertung des Objekts: *** befriedigend. Das Los befindet sich in einem befriedigenden Erhaltungszustand, weist jedoch deutliche Restaurierungsspuren sowie einige Fehlstellen an den Rändern auf.
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