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Kutter, Joseph Heiliger Sebastian Öl auf Leinwand. Um 1919. 83,5 x 57,3 cm. Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "Kutter", verso auf der Leinwand mit Pinsel in Hellblau nochmals signiert "Kutter" und mit den Adressangaben "München Konradstr. 5 III", auf dem Keilrahmen mit Fragmenten eines Münchner Stempels und weiteren runden Amtsstempeln, auf dem Rahmen mit Fragmenten eines alten Papierklebeetiketts aus dem Glaspalast München mit der typographischen Numerierung "4562". Nicht bei Koltz/Thill. Der bedeutende luxemburgische Expressionist Josef Kutter verbrachte die Jahre 1919-24 in München, wo er 1919 die junge Rosalie Sedlmayer heiratete. Im selben Jahr wurden sechs seiner Arbeiten im Münchner Glaspalast ausgestellt, ein bedeutendes Selbstbildnis, zwei Akte, zwei Stilleben und ein „Heiliger Sebastian“ (Kat.-Nr. 1599), in Öl, aber als Skizze aufgeführt. Ob es sich dabei um die hier angebotene Darstellung handelt, ist unklar. Das Gemälde des Heiligen Sebastian war bisher das einzige der sechs, das den Werkverzeichnisverfassern unbekannt geblieben war. In seinem Aufsatz über Kutter in München wird es von Edmond Thill zwar erwähnt, aber ohne eine Werkverzeichnisnummer anzugeben (vgl. Koltz/Thill S. 63). Die Darstellung eines christlichen Märtyrers erscheint im Kontext von Kutters Gesamtwerk und insbesondere um 1919 zunächst ungewöhnlich. Im Zentrum steht der nackte, gleichsam eingesackte Körper des jungen Sebastian, den Kaiser Diokletian der Legende nach an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen ließ. Für tot gehalten, wurde Sebastian am Hinrichtungsort zurückgelassen, obwohl er noch lebte. Wie einen Fremdkörper setzt Kutter den hellen, von vier Pfeilen durchbohrten Körper in eine expressive Waldlandschaft mit Seeblick und dahinterliegender Bergkette. Mit kurzen, breiten Pinselzügen und einer zwischen erdigen Tönen und leuchtenden Primärfarben changierenden Palette steigert er die Spannung zwischen Figur und Landschaft. Das Bild stellt damit eine bemerkenswerte Ergänzung zu Kutters frühem Münchner Schaffen dar und eröffnet einen seltenen Einblick in die Entwicklung seiner expressionistischen Bildsprache. Provenienz: Privatbesitz Wiesbaden - Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist. - Please ask for condition reports for individual lots, as the condition is usually not mentioned in the catalogue.
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