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Fidus Selbstbildnis im Profil nach rechts. Kohlestift auf festem Velin. 49 x 39,2 cm. Unten links signiert "Fidus 13 II (18)91". Der deutsche Maler und Lebensreformer Fidus befand sich zu Beginn der 1890er Jahre in einer entscheidenden Phase der künstlerischen und persönlichen Selbstfindung. Prägend war zunächst der Einfluss des Naturpropheten Karl Wilhelm Diefenbach, bei dem er von 1887 bis 1889 lernte, bevor er seine Ausbildung an der Münchener Akademie fortsetzte. Das eindringliche Bildnis zeigt den gerade erst 22-jährigen Künstler im Profil. Das lange, nach hinten gestrichene Haar fällt über die Schultern auf die schlichte schwarze Jacke mit schmalem Stehkragen, unter dem lediglich ein schmaler Streifen des weißen Hemdes sichtbar wird. Der junge Künstler erscheint konzentriert und ganz in sich selbst ruhend; sein fester Blick ist nach vorn gerichtet. In der strengen Reduktion der Darstellung liegt eine bemerkenswerte Geschlossenheit, als scheint Fidus bereits ein Bild von sich und seiner Zukunft zu haben. Nur einen Monat später zeichnet Fidus ein zweites Mal sein Konterfei mit Kohle auf Papier, das sich in der Daulton Collection, Los Altos Hills, CA befindet. Der Künstler trägt dieselbe schwarze Jacke, doch an Stelle der Ansicht im Profil, wendet sich Fidus dem Betrachter frontal und mit fragendem Blick zu. Auch äußerlich zeigt sein Erscheinungsbild eine bemerkenswerte Veränderung: Das lange, wilde Haar ist einem kurzen Haarschnitt gewichen. Gerade in der unmittelbaren zeitlichen Nähe zueinander gewinnen die beiden Bildnisse besondere Aussagekraft. Die Veränderung von Blick, Haltung und Erscheinung lässt sich als sichtbarer Ausdruck eines Prozesses der Selbstbefragung lesen. In diesen Selbstbildnissen scheint Fidus nicht allein sein äußeres Erscheinungsbild festzuhalten, sondern sich über die Darstellung des eigenen Ichs auch seiner künstlerischen und persönlichen Identität zu vergewissern. Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers, zunächst Fidus-Haus. 1991-1996 Verwahrung in der Berlinischen Galerie. 1996 bis Februar 2026 Dauerleihgabe ans Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein (Inv. Nr. 591). Lit.: Janos Frecot, Johann Friedrich Geist und Diethart Kerbs: Fidus, 1868-1948. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972, S. 312: 1891, Nr. 10 ("Selbstbildnis, Profil, Blei"). - Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist. - Please ask for condition reports for individual lots, as the condition is usually not mentioned in the catalogue.
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