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Joseph Stieler Bildnis Adelaide Schiasetti Öl auf Leinwand (doubliert). 67 x 54 cm. Auf der Rückseite Transkription der ehemaligen Bezeichnung mit biographischen Daten. Gutachten Dr. Ulrike von Hase-Schmundt, München, 10.6.2021 (in Kopie). Provenienz Slg. des Kronprinzen Ludwig von Bayern. - Besitz des bayerischen Königshauses (Rückseitig Klebeetikett). - 1928 Verkauf durch den Wittelsbacher Ausgleichsfonds an die Galerie Wimmer, München. - In den 1960er Jahren vom Vorbesitzer im Kunsthaus Bühler, Stuttgart, erworben. - Neumeister, München, 1.12.2021, Lot 1122. - Süddeutsche Privatsammlung. Literatur Verkaufsverzeichnis Joseph Stieler 1821. - Nachlass von Leo von Klenze (1784-1864). BSB Klenzeana I/2. - R. Messerer (Hrsg.): Briefwechsel zwischen Ludwig I. von Bayern und Georg von Dillis 1807-1841. München 1966, Nr. 513,5 und 515,4 (die beiden Briefe bezüglich der Ausstellung des vorliegenden Gemäldes aus dem Jahre 1823). - U. v. Hase: Joseph Stieler 1781-1858. München 1971, S. 95. - G. Hojer: Die Schönheitsgalerie König Ludwigs I. München 1979, S. 11. - F. Bronner: La Schiassetti. Jacquemont, Rossini, Stendhal ... Une saison parisienne au Théâtre-Italien 1824-1826. Paris 2011. Adelaide Schiasetti! Die Auftritte der jungen italienischen Mezzosopranistin an der Münchner Hofoper begeisterten nicht nur das Publikum, sondern auch die bayerische Königsfamilie. In ihren Rollen in Opern Rossinis aber auch Mozarts wurde sie bejubelt, die Kritiker fanden wohlwollendste Worte. Vor dem bayerischen Königspaar sang sie in privatem Rahmen, es wird kolportiert, dass die Königin ihr zum Dank ein mit Diamanten besetztes Herz überreicht haben soll. Und der bayerische Kronprinz, ausgesprochen empfänglich für die Reize seiner Zeitgenossinnen, entflammte in Leidenschaft! Woher dieses Wissen zu einer heute fast vergessenen Sängerin stammt? Kein geringerer als Henry Beyle, der unter seinem Pseudonym "Stendhal" weltberühmt werden sollte, überlieferte uns in seinen Korrespondenzen die wichtigsten Fakten - Stendhal, in die Literaturgeschichte eingegangen mit so bekannten Werken wie "De l'Amour" (1822), "Le Rouge et le Noir" (1830) und die auch in Deutschland ungemein populäre "Kartause von Parma" (1839). Hinter dem Ruhm als Schriftsteller trat in der rückblickenden Betrachtung die große Liebe Stendhals zu Italien und besonders zur italienischen Oper bisweilen in den Hintergrund. Und doch verdanken wir dieser Leidenschaft bezüglich "unserer" Sängerin vieles. Stendhal war mit der Familie Schiasetti in seiner Mailänder Zeit befreundet, Adelaides Vater Fortunato, ein napoleonischer General, und der Dichter verbrachten viel Zeit miteinander. Stendhal war es auch, der Adelaides Ausbildung und vor allem ihre Karriere als Sängerin nach Kräften unterstützte, nachdem ihr Vater 1813 zu früh verstarb und die Familie damit in finanzielle Not gelangte. Stendhal genoss auch private Gesangsdarbietungen in der gemeinsamen Sommerfrische in Varese. Er berichtete empathisch von den frühen Erfolgen der Mezzosopranistin in München, wo sie seit 1818 engagiert war. Die Münchener Oper zählte zu jenen Häusern, die - wenngleich mit bescheidenen finanziellen Mitteln ausgestattet - die italienische Oper über die Maßen propagierten. Kurz nach den Uraufführungen in Italien konnte das Münchener Publikum sich bereits an den neuesten Schöpfungen aus dem "Land der Sehnsucht" erfreuen. Mit ihrer Stimme bezauberte die Schiasetti die Residenzstadt: "Dlle. Schiasetti hat die ganze Stagione hindurch bewiesen, was ein einziges vorzügliches Talent mit seinem so grossen Fleisse und trefflichen Willen für den Gang einer ganzen Anstalt selbst bey beschränktern Mitteln (ihre Stimme ist nähmlich mezzo soprano) zu leisten im Stande ist." (Allgemeine Musikalische Zeitung, mit besonderer Rücksicht auf den österreichischen Kaiserstaat, Nr. 54, 7. Juli 1821, "Musikalischer Bericht aus München", Sp. 425). Stendhal wurde auch nicht müde, ihr den Wechsel nach Paris zu ermöglichen, wohin sie 1824 übersiedeln sollte. Für München ein großer Verlust: "Sgra. Schiasetti hat einen sehr vortheilhaften Ruf zur italiänischen Oper in Paris erhalten und, dem Vernehmen nach, auch bereits angenommen. - Dieser Verlust ist sehr empfindlich und selbst durch eine größere Sängerin kaum zu ersetzen, weil die Anmuth und Lieblichkeit ihres ganzen Wesens von bezaubernder Seltenheit ist." (Abend-Zeitung. Wegweiser im Gebiete der Künste und Wissenschaften, Nr. 19, 22. Januar 1824, S. 76). Und wenngleich ihr in Paris keine Erfolge in jenem Maße beschieden waren, wie sie diese aus München gewöhnt war: Stendhal bemühte sich in seiner Rolle als Musikkritiker unablässig, sie zu fördern. Vom mäßigen Erfolg in Paris, unter anderem verursacht durch Boykottversuche seitens des Publikums, berichtete auch die deutschsprachige Presse: "Mlle. Schiasetti trat im Laufe dieses Monats als Isabella in der Rossinischen Oper: L'Italiana in Algeri auf.
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