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Jacob Philipp Hackert Lago di Bientina Öl auf Leinwand (doubliert). 65 x 87 cm. Signiert und datiert unten links: Lago di Bientina preso di Monte Carlo / Filippo Hackert 1805. Provenienz Aus dem Nachlass des Künstlers 1811 in Berlin verkauft. – Deutsche Privatsammlung. Literatur Zum Künstler vgl. C. Nordhoff/Hans Reimer: Jakob Philipp Hackert 1737-1807. Verzeichnis seiner Werke. 2 Bände, Berlin 1994. - C. Nordhoff: Jakob Philipp Hackert, Briefe (1761-1806). Herausgegeben und kommentiert von Claudia Nordhoff, Göttingen 2012. - Nachricht an das Publikum, Berlin 30. Juli 1811 (von den Hackertschen Erben herausgegebenes Flugblatt mit einem Katalog der nachgelassenen Werke, München, Bayerische Staatsbibliothek) Der Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert zählte zu den erfolgreichsten deutschen Künstlern in Italien. Nach zwanzig in Rom verbrachten Jahren hatte ihn 1786 der Bourbonenkönig Ferdinand IV. als Hofmaler nach Neapel berufen, wo er bis 1799 tätig war. In diesem Jahr bereitete der Einmarsch der französischen Truppen im Königreich Neapel seiner dortigen Existenz ein abruptes Ende: Unter Zurücklassung fast aller seiner Habe zur Flucht gezwungen, ließ sich Hackert in Florenz nieder und gelangte, dank seines Fleißes und seines guten Namens, schnell wieder zu Wohlstand. 1803 schließlich hatte er es so weit gebracht, dass er sich, zusätzlich zu seinem Haus in Florenz, ein Landgut im nahen Careggi kaufen konnte. Hier widmete er sich der Landwirtschaft und führte kleinformatige Tierporträts in freier Natur aus, die er ebenfalls mit Erfolg auf dem Kunstmarkt verkaufte. Sofort nach seiner Ankunft hatte Hackert damit begonnen, auch seine neue Heimat zu erkunden. Eine Wanderung 1802 führte den Maler in das nordwestlich von Florenz gelegene Lucca, dessen Umgebung er zeichnerisch festhielt. Ca. 15 Kilometer südöstlich von Lucca erstreckte sich ein großer sumpfiger See, der Lago di Bientina, auch als Lago di Sesto bekannt, der im 19. Jahrhundert trockengelegt wurde. Hier führte Hackert eine Bleistiftskizze aus, die einen Blick auf den von Hügelketten begrenzten See zeigt; sie trägt die Bezeichnung „Lago di Bientina preso da Monte Carlo“ (Berlin, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 452-1990; siehe Nordhoff/Reimer 1994, II, Kat.-Nr. 1104). Der Blick ist also von dem kleinen Bergdorf Montecarlo genommen, das in ca. 162 m Höhe an der südwestlichen Grenze des sumpfigen Seegebiets liegt. 1804 benutzte Hackert diese Skizze als Grundlage für das vorliegende Gemälde. Im Mittelgrund erstreckt sich der See, dessen sumpfige Ufer gut zu erkennen sind. Davor liegen Wiesen, kleine Wäldchen und weitere Gewässer; einzelne Gebäude leuchten hell inmitten der dunkleren Grüntöne der Vegetation. Unter ihnen fällt besonders ein dem See nahegelegener Gebäudekomplex mit großem, wuchtigem Turm ins Auge: Dies ist die mittelalterliche, benediktinische Abtei von San Salvatore di Sesto, von der heute nur Teile des Turms erhalten sind. Im rechten Hintergrund erhebt sich der Monte Pisano, links in der Ferne sind die Hügel der Cerbaia zu sehen. Aus der Ebene führt ein Weg in den Vordergrund, auf dem ein Wanderer mit Hund und Packesel rüstig in Richtung Montecarlo ausschreitet; daneben klettern oder lagern Ziegen, die Bildränder sind von knorrigen Eichen gerahmt. Hackerts Gemälde ist ein seltenes Bilddokument der Gegend um den Lago di Bientina, das in seiner exakten Ausführung einer gemalten Landkarte vergleichbar ist. Der Künstler setzt die Landschaft aus genau beobachteten Details zusammen, die wie kleine Einzelbilder betrachtet werden können. Die Gebäude in der Ebene, die liebevoll porträtierten Ziegen, deren Vorbilder zweifellos auf Hackerts Landgut in Careggi zu finden waren, der Esel, der ähnlich in diversen kleinformatigen Tierporträts im Spätwerk des Malers erscheint, die großen Eichen, die ihre gewundenen Äste mit den typischen zackigen Blättern vor dem Himmel ausbreiten: Sie alle bieten dem Betrachter eine Fülle von nach und nach zu erschließenden Informationen, die sich darüber hinaus jedoch zu einem vollendeten Kunstwerk zusammenfügen. Der Wanderer aber ist ein Alter ego des Malers selbst, der eben auf diese Weise, stets begleitet von seinem Hund, unermüdlich neuen Blickpunkten entgegenstrebte. Das Gemälde ist ein Meisterwerk aus Hackerts vorletztem Schaffensjahr, und er verkaufte es nicht mehr. Es fand sich im Nachlass, der an seinen Schwager, den Berliner Hofrat Friedrich Christian Behrendt, überging und von diesem am 30. Juli 1811 versteigert wurde. Hier trug das Bild die Nummer 24: „Ansicht des Sees Bienteria gegen Monte Carlo nahe bey Lucca in Toscana 2 Fuß hoch 2 Fuß 88 Zoll breit.“ Dr. Claudia Nordhoff, Rom Für Vergleichsabbildungen siehe den gedruckten Katalog sowie die PDF-Fassung.
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