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live 21. November | 11:30 AM
Lempertz

1003 - Tilman Riemenschneider, Umkreis

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60.000 €

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Schätzungen

80.000 - 100.000 €

Verkaufsgebühren

35,7 %

Tilman Riemenschneider, Umkreis Grablegung Christi Linde, mit minimalen Resten früherer Polychromie. Relief mit fünf teilweise vollplastisch geschnitzten Figuren, hinter und ganzfigurig neben dem Sarkophag abgebildet, den Verstorbenen mithilfe eines Leichentuchs darauf bettend. Schäden durch früheren Insektenbefall, Schwundrisse und kleinere Fehlstellen 2016 fachmännisch restauriert (Bericht liegt vor), der ursprüngliche Kopf links fehlend. H 50,5; B 75,5 cm. Provenienz Ehemals Leihgabe / Dauerausstellung MAD Museum am Dom Würzburg. - Seit mehreren Generationen in fränkischem Familienbesitz. Ausstellungen Gegenstück. Spannungsbogen Kunst, MAD Museum am Dom, Würzburg, 2017. - Riemenschneider X Stoß – Schnittpunkt Münnerstadt, MAD Museum am Dom, Würzburg, 2019/2020. Literatur H. R. Albert, Darstellung des hl. Vitus beim „Hofbauer“ in Wülfershausen gibt manches Rätsel auf, in: Das Grabfeld 12/Oktober 2004. - Zur Thematik s. H. Simon, Die frühneuzeitlichen Beweinungsgruppen von Tilman Riemenschneider, in: Ausst.-Kat. Tilman Riemenschneider – Werke seiner Glaubenswelt, Regensburg 2004, S. 85ff. - Vgl. auch Schneider, Altaria deren seind drey. Visitationsberichte als Quellen, in: ebd., S. 69ff., Abb. 38. Die bedeutende spätgotische Grablegungsgruppe ist mit Tilman Riemenschneider in Verbindung gebracht worden. Nur eine weitere Grablegung aus seiner Werkstatt wird in der Forschung ebenfalls diskutiert; sie befindet sich in der Antoniuskapelle in Großlangheim. Riemenschneiders bevorzugtes Sujet waren die Beweinungsgruppen. Neben den Vesperbildern gibt es mehrfigurige Beweinungen in Hessenthal, in der Katholischen Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt (um 1490), in Heidingsfeld, in der Pfarrkirche St. Laurentius (um 1508), in Großostheim, in der Pfarrkirche St. Peter und Paul (um 1515) und in Maidbronn, das bedeutende Retabel in der Kuratiekirche St. Afra (um 1515-1519). Mehrfigurig aufgebaute Grablegungen in ähnlicher Komposition kennt man seit dem frühen 15. Jahrhundert (vgl. etwa Wallraf-Richartz Museum, Meister der Kleinen Passion, um 1420). Üblicherweise wird der Leichnam von Josef von Arimathäa und Nikodemus an Kopf und Füßen gehalten, hinter dem Sarkophag befinden sich Maria, Johannes und Maria Magdalena. Was diese Grablegung auszeichnet, ist die Präsentation Christi. Sein Köper ist zur Seite gerichtet, von Kopf bis Fuß für den Betrachter sichtbar; die vordere Hand ruht auf seiner Hüfte, der hintere Unterarm mit schlaff hängender Hand wird von Maria gestützt, ebenso wie sein Kopf. Diese halb aufgerichtete diagonale Positionierung des Oberkörpers wirkt wie eine Zurschaustellung des Todes, verweist aber gleichzeitig auf die Auferstehung. Eine ähnliche Konnotation besitzt das fein gefaltete Leichentuch, auf dem der Körper liegt. Nur Marias Hände berühren Jesus direkt. Das Tuch trennt und hinterfängt seinen Leichnam und deutet auf die spätere Eucharistie, die Wandlung des Brots in den Leib Jesu, der hier wie auf einem Tisch dargebracht wird. Bei der Grablegung aus Großlangheim ist das untere Bein vom Tuch bedeckt, die linke Assistenzfigur fehlt und die rechte ist leicht verändert positioniert. Das Relief ist rechts in den Hochaltar eingefügt, hinterfangen von einer großen gefassten Tuchdraperie. Trotz nahezu identischer Komposition und ähnlichen Maßen ist die Wirkung eine andere, was nicht zuletzt auf die übergangene Fassung zurückzuführen ist, die bei der hier vorgestellten Grablegung entfernt wurde. Reinhold Albert, Kreisheimat- und Kreisarchivpfleger im Landkreis Rhön-Grabfeld, hält es für möglich, dass das hier vorgestellte Relief im Zuge der Säkularisation und Aufhebung der Zisterzienserabtei Maria Bildhausen im Jahr 1803 in den Besitz einer Wülfershäuser Bauernfamilie gelangte. Die Klosterkirche Bildhausen liegt bei Münnerstadt, ein Ort, in dem die beiden bekanntesten Bildhauer der deutschen Spätgotik tätig wurden: Tilman Riemenschneider und Veit Stoß. 1490 erhielt Tilman Riemenschneider den Auftrag für ein Retabel der Pfarrkirche St. Maria Magdalena. Das fertiggestellte Werk wurde 1492 ausgeliefert und aufgestellt. Veit Stoß hielt sich um 1504/05 bei seiner Tochter in Münnerstadt auf, als ihn der Stadtrat für die Fassung der Skulpturen und die Anfertigung von vier Tafelbildern, ebenfalls für die Stadtpfarrkirche, ansprach. Das hier vorgestellte Relief war 2019/2020 Teil der Ausstellung, die das Werk beider Bildhauer ehrte.

Auktion

Alte Meister und 19. Jahrhundert
Samstag, 21. November
11:30 AM
Neumarkt, 3
50667 Cologne, Deutschland

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