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Nordfrankreich um 1325-1350 Hochbedeutende museale Skulptur einer Muttergottes "Vierge à l'Enfant" Kalkstein-Monolith, Reste einer älteren Polychromie. Vollplastisch ausgearbeitete, hinten gering abgeflachte Pfeilerfigur der Madonna mit Kind. In elegantem Kontrapost stehend, in der gesenkten Hand ein verlorenes Attribut (Lilie?) haltend, auf der rechten Hand das Jesuskind, das seinerseits die Flügel einer Taube spreizt. Eine Spitze an der hinteren Lilienkrone wieder angefügt. H 103 cm. Provenienz Lempertz Auktion 432 am 22. Mai 1951, Lot 249. Süddeutscher Privatbesitz. Literatur Vgl. P. Vitry/G. Brière: Documents de sculpture française du Moyen-Âge, Paris 1904, pl. LXXXXIIIff. - Vgl. P. Williamson: The Thyssen-Bornemisza Collection. Medieval Sculpture and works of art, London 1987, Nr. 6 (eine etwas frühere Maria mit Kind und Taube, auf der Plinthe Moses und der brennende Dornbusch). - Vgl. Ausst.-Kat. Caen/Toulouse 2008: Chefs-d'œuvre du Gothique en Normandie, Sculpture et orfèvrerie du XIIIe au XVe siècle, Caen-Milan 2008, Abb. 4 (die Jungfrau aus Pont-de-l'Arche (Eure), Nr. 11, die Jungfrau aus Saint-Martin in Lisors (Eure), Nr. 17, die Jungfrau aus Saint-Sulpice in Guéhébert (Manche). In einem wunderbarern Erhaltungszustand präsentiert sich diese französische Madonna mit Kind. Sie wurde kein Opfer der Säkularisation, war nie gebrochen; selbst ihre Lilienkrone hat unbeschadet die turbulente Zeit der Revolution überstanden. Sie verkörpert das Schönheitsideal der Hochgotik, das offensichtlich spätere Generationen respektvoll anerkannt haben: Eine schlanke junge Frau mit rundem Gesicht, hoher Stirn, mandelförmigen Augen, empathischem Blick, klassisch gerader Nase und sinnlichem Mund. Ihr offenes lockiges Haar wird hinten von einem Schleier bedeckt. Das enganliegende rote Kleid stößt in L-förmigen Falten auf die beiden gerade noch sichtbaren Schuhspitzen. Der blaue Mantel ist vom rechten Arm in tiefen Bögen nach links drapiert, wo er unter dem Kind in gestaffelten Vertikalfalten herabfällt. Diese Anordnung der Gewänder betont die S-Linie ihrer Haltung und lenkt den Blick des Betrachters auf das Kind, das über ihrem Standbein leicht erhoben präsentiert wird. Eine ähnliche, wenn auch größere Jungfrau mit Kind befindet sich im Musée du Louvre (RF 880). Seit 1904 wird angenommen, dass diese aus der Abtei von Cîteaux (Côte-d'Or, Burgund) stammt, ohne dass es dafür schriftliche Belege gibt. Sie steht in gleicher Haltung mit dem abgebrochenen Stab rechts; links das Kind, nur mit Tuchdraperie bekleidet, aber auch eine Taube haltend. Die Herkunft weiterer ähnlicher noch erhaltener Skulpturen und Fragmente werden in einem größeren Bereich um die Île-de-France verortet, der von Rouen über Amiens, Laon, Reims, Troyes bis Burgund reicht.
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