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EIN KREUZ DER KRETA-SCHULE, KREIS VON EMMANUEL LOMBARDOS (ODER LAMPARDOS, 1567–1631), ENDE DES 16. JAHRHUNDERTS gemalt in Tempera und Gold auf Holz für den levantinischen melkitisch-christlichen Markt, in der Mitte die Kreuzigung, flankiert von Engeln, die das Blut Christi auffangen, die Evangelisten in den profilierten Endstücken, jeweils mit griechischer Beschriftung: oben Johannes, Markus, Lukas und Matthäus, die ihre Evangelien in arabischer Schrift offen halten; das Ganze in einem geriffelten Rahmen, mit einem geformten Blattwerk-Rand und Kugelendstücken, 127,5 x 98,5 cm Provenienz: Nikki Constable-Maxwell (1920–2016), von der es dem Verkäufer vermacht wurde. Die in Amerika geborene Militza (bekannt als Nikki) Kerkes heiratete Andrew Constable-Maxwell OBE MC (1906–1990) am 26. Februar 1949 in der Kapelle des Allerheiligsten Sakraments der Vatikanbasilika. Andrew Constable-Maxwell, ursprünglich ein Londoner Investmentbanker, zog nach dem Krieg in den Kanton Waadt in der Nähe von Genf. Das Ehepaar war begeisterte Sammler und trug unter anderem die „Constable-Maxwell-Sammlung antiker Glasgegenstände: Aus dem Besitz von Herrn und Frau Andrew Constable-Maxwell“, die am 4./5. Juni 1979 bei Sotheby’s in London versteigert wurde und unter anderem ein berühmtes Diatretum (römische Lampe oder Käfigbecher) umfasste, das zweimal einen Rekordpreis erzielte. Dieses imposante liturgische Kreuz gehört zur späten kretischen Schule, dem dominierenden Zentrum der orthodoxen Ikonenproduktion im östlichen Mittelmeerraum während des 16. Jahrhunderts. Die zurückhaltende Darstellung der Kreuzigung spiegelt die konservative byzantinische Ästhetik (die „maniera greca“) wider, die im venezianischen Candia (Kreta) gepflegt wurde, wo Werkstätten in großem Umfang Ikonen für den Export in den gesamten Mittelmeerraum herstellten, was im 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. Die langgestreckte Christusfigur, dargestellt mit schematisierter Muskulatur, mandelförmigen Augen und weißen Lichtakzenten im Gesicht, zeugt von einer engen Vertrautheit mit dem Stil von Emmanuel Lombardos (auch als Lambardos oder Lampardos bezeichnet), einem der führenden Maler der späten kretischen Schule. Auch wenn das vorliegende Werk nicht unbedingt dem Meister selbst zugeschrieben werden kann, steht es doch zweifellos im Einklang mit seinem Schaffen. Das Fehlen barocker anatomischer Übertreibungen oder theatralischer Qualen spricht für eine Entstehung in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts, noch vor dem zunehmenden westlichen Einfluss, der in der kretischen Malerei des frühen 17. Jahrhunderts sichtbar wird. Kretische Ikonen waren im gesamten östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet, einschließlich der Levante, wo sie von arabischsprachigen orthodoxen Gemeinschaften, den sogenannten melkitischen Christen, bereitwillig übernommen wurden. In einigen Fällen reisten die Maler selbst nach Osten: Ieremias Palladas, ein kretischer Mönch und Ikonenmaler, der mit dem Katharinenkloster am Berg Sinai in Verbindung stand, schuf nachweislich Werke für den Sinai, das Heilige Grab in Jerusalem und eine Kirche in Bethlehem. Große Kreuze dieser Größenordnung waren für bedeutende kirchliche Einrichtungen bestimmt, höchstwahrscheinlich als Altarkreuze in einer großen orthodoxen Kirche oder einer klösterlichen Stiftung.
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