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live 20. November | 10:30 AM
Lempertz

611 - Albert Jansz Vinckenbrinck

Startpreis

80.000 €

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Schätzungen

80.000 - 100.000 €

Verkaufsgebühren

35,7 %

Albert Jansz Vinckenbrinck Hochbedeutende Betnuss mit Mikroschnitzerei der Sieben Werke der Barmherzigkeit Buchs. Zweiteilige, vollplastisch geschnitzte Frucht (Apfel oder Quitte?). Beide Hälften innen ausgehöhlt, mit teilweise eingesetzten Miniaturszenen. H/B ca. 5 cm. In oktogonalem älterem Lederfutteral H 7,5, D 10 cm. Monogrammiert "AV", wohl für Albert Jansz. Vinckenbrinck (1605 - 1664). Heilsgeschichte in a Nutshell Immer kleiner! Downsizing war in der Handwerks- und insbesondere der Schnitzkunst zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein großes Thema. Miniaturen und Miniaturschnitzereien loteten die Grenzen technischer Möglichkeiten aus, was in einer Zeit des Machbarkeitswahns der Renaissance große Faszination ausübte. Auch die Entwicklung optischer Linsen gewann rasant an Schwung. So konnten Fehlsichtigkeiten ausgeglichen werden, es konnte insbesondere aber auch unter den verbesserten Vergrößerungsgläsern in Dimensionen gearbeitet werden, die bisher dem menschlichen Sehen kaum zugänglich waren. Die daraus entstandenen, bisher nicht gesehenen Produkte der Miniaturmalerei und der Mikroschnitzerei fanden ein Publikum aus altem Adel und vermögenden Bürgern, deren Repräsentationsehrgeiz diese kleinen Wunder herausforderten. Solche Möglichkeiten und Bedürfnisse trafen auf die Bewegung der Devotio Moderna. Diese geistliche Reformbewegung hatte sich im Verlauf des 15. Jahrhunderts in den Niederlanden und besonders in den Gebieten des heutigen Deutschlands verbreitet und trat für eine konzentrierte verinnerlichte Haltung ein. Die individuelle Reflexion der Gläubigen wurde zunehmend wichtiger als akademische Diskussionen der bis dahin vorherrschenden Scholastik. Dabei gewann das kontemplative Gebet, die private Andacht verstärkt an Bedeutung. Die hierzu passende und im Alltag leicht mitzuführende Ausstattung war oft eine Miniaturversion eines Altars als Symbol des anwesenden Christi oder noch feiner und kleiner ausgearbeitet: Eine Betnuss, oft als Anhang an einem Rosenkranz. Diese Preziosen zu fertigen erforderte die größte Geschicklichkeit, zu der nur wenige Bildschnitzer in der Lage waren. Die kunstvollen Miniaturobjekte waren nur den höchstgestellten und wohlhabendsten Menschen ihrer Zeit erreichbar und entsprechend selten sind Exemplare zu finden. Die Sammlungen der kunstsinnigen Könige und Fürsten enthielten und enthalten daher Beispiele dieser großen Leistungen der Mikroschnitzerei. Berühmt wurde etwa jene, die der englische Kardinal Wolsey an Heinrich VIII. als Geschenk gab. Aus höchst adeligem Besitz kommt auch die Betnuss der Maria von Burgund, Ehefrau des späteren Kaisers Maximilian I., eine der bedeutendsten ihrer Art. Sie war erst nach siebenjähriger Arbeit vollendet und befindet sich heute im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang. Sogar 18 Jahre soll der Meister Hieronymus Faber für das berühmte Exemplar in der Schatzkammer der Münchner Residenz benötigt haben. Die meisten weiteren Beispiele von Betnüssen schmücken die Sammlungen des Metropolitan Museum in New York, des British Museums in London, des Kunsthistorischen Museums in Wien und vielen weiteren. Wenige solcher Stücke sind noch in Privatbesitz. In den beiden Hälften der hier vorgestellten Betnuss eröffnen sich mikroskopische Welten. Zwei prachtvolle repräsentative Architekturinterieurs mit zahlreichen Staffagefiguren bilden die Kulissen für die Werke der Barmherzigkeit. Im kleinsten möglichen Format fanden eine hohe spätgotische Hallenkirche und das Treppenhaus eines Renaissancepalastes Platz. Darin erhält ein Hungernder Brot, ein Durstiger Wasser, werden Obdachlose beherbergt, verschenkt man Kleidung, kümmert sich um Kranke und Gefangene, und trägt einen Toten zu Grabe. In der Zeitschrift Oud Holland von 1887 werden dem Objekt fast 20 Seiten gewidmet. Zur Provenienz schreibt der Autor folgende Zeilen: "Der Apfel, in den die Werke der Barmherzigkeit eingraviert sind und der sich 1835 im Besitz eines Herrn V.C. in Spaarndam befand, wird im Nederlandsch Magazijn von 1835, S. 83, beschrieben. Er findet sich heute in der Sammlung des ehrenwerten Herrn C. Becker in Frankfurt. Ich erinnere mich, dass um 1848 ein gewisser Coenraad Reckers oder Reekers aus Haarlem mit diesem Apfel umherreiste und ihn gegen eine kleine Belohnung vorführte. (...) " (S. 86, aus dem Niederländischen.) Schon diese kurze Textpassage belegt die große Faszination, die von dem miniaturhaften Kunstobjekt immer ausging. Wie stolz der Bildschnitzer auf sein Erzeugnis war, belegt auch das winzige Monogramm, das er auf der zentralen vorderen Kirchensäule anbrachte. Der in Spaarndam 1605 geborene Albert Jansz. Vinckenbrinck entstammte einer Künstlerfamilie. Sein Vater Jan Albertsz Vinckenbrinck war Tischler, die Maler Jan und Andries Both gehörten zu seiner engen Verwandtschaft. Ab 1624 betrieb er eine Tischlerwerkstatt und ein Bildhaueratelier auf dem Singel in Amsterdam, die nach seinem Tod 1664 von seinem Sohn Abraham übernomm

Auktion

Kunstgewerbe, Silber, Skulpturen, Möbel, Keramik und Porzellan
Freitag, 20. November
10:30 AM
Neumarkt, 3
50667 Cologne, Deutschland

Auktionshaus

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