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Dame Lucie Rie (Wien 1902 - 1995 London) Sgraffito-Schale Porzellan mit Manganglasur, Bänder in Terrakotta und Türkis, teilweise innen und außen mit Ritzdekor und Bronzierung. Erhabene Ligaturmarke LR. H 10, D 12,7 cm. Um 1970 - 78. Nach ihrer Flucht aus Wien im Jahr 1938 musste die Keramikkünstlerin Lucie Rie in London nahezu von Grund auf neu beginnen. Die ersten Jahre gestalteten sich schwierig, da Rie als Österreicherin den Status eines „enemy alien“ hatte. Ihren Lebensunterhalt sicherte sie mit dem Aufbau einer Werkstatt für keramische Knöpfe. Durch ihre Experimente mit Glasuren konnte sie Modehäusern farblich abgestimmte Knopfserien anbieten, die auf große Nachfrage stießen. Gleichzeitig entwickelte sie ihre eigene künstlerische Praxis weiter. Zu den frühen Unterstützern ihrer Arbeit gehörte der Sammler und Galerist Henry Rothschild, der in der Nachkriegszeit zu einer wichtigen Persönlichkeit der Londoner Kunstszene wurde. Neben Rothschild trugen auch einzelne Galerien außerhalb Londons wesentlich zur Etablierung Ries als bedeutende Keramikerin bei. Eine besondere Rolle nahm die New Craftsman Gallery in St. Ives ein, die von Janet Leach, der Ehefrau des renommierten Keramikers Bernard Leach, gegründet wurde und sich zu einer der bedeutenden Galerien für zeitgenössische Keramik in England entwickelte. Bernard Leach war seit den 1950er Jahren eng mit Lucie Rie verbunden. So wurden bereits zur Eröffnung der Galerie im Jahr 1965 neben Arbeiten von Bernard Leach, Shoji Hamada und Hans Coper auch Werke der aus Österreich stammenden Lucie Rie angeboten. Die New Craftsman Gallery wurde damit zu einer wichtigen Vertriebsplattform für Ries Keramiken und verband ihre eigenständige künstlerische Position mit dem bedeutenden Netzwerk der britischen Studio-Keramik. Dort, in der New Craftsman Gallery, wurde 1979 die hier angebotene Schale erworben. Sie entstand in einer reifen Schaffensphase der Künstlerin, in der Rie ihre charakteristische Formensprache und raffinierte Glasurkunst zunehmend um neue Farben und Oberflächenwirkungen erweiterte. Obwohl ihr Werk bereits 1967 mit einer ersten großen Retrospektive gewürdigt worden war, blieb Rie bis ins hohe Alter an der Entwicklung neuer keramischer Ausdrucksformen interessiert. Seit den späten 1960er Jahren experimentierte sie verstärkt mit Manganoxid, dessen dunkle, metallisch schimmernde Wirkung an geschmolzene Bronze erinnert und ihren Gefäßen einen gleichzeitig archaischen und modernen Charakter verleiht. Zusätzlich verwendete sie eine leuchtende Farbpalette und verband diese mit der für sie charakteristischen Oberflächenbearbeitung, insbesondere der Sgraffito-Technik. Die 1979 über die New Craftsman Gallery erworbene Schale steht exemplarisch für diese fortgeschrittene Phase ihres Schaffens. Provenienz Erworben 1979 bei New Craftsman Gallery, St. Ives, Cornwall. Literatur Vgl. eine in Form und Dekor nahezu identische Schale abgebildet im Kat. Lucie Rie: The Adventure of Pottery, Cambridge 2022, S. 100. Eine weitere vergleichbare Schale verst. Sotheby's London Auktion am 7. Juni 2024, Lot 142.
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