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Henry van de Velde Sekretär mit Bücherschrank von Henry van de Velde (1863 - 1957) Mahagoni massiv und furniert auf Eiche; facettiertes Glas, Messing. Kombinationsmöbel aus Schreibtisch mit zwei Kompartimenten und Bücherschrank auf einer seitlich nach vorne angewinkelten Basisplatte. Unter dem etwas gebogenen oberen Abschluss zwei mit Sprossen verglaste Türen. Zahlreiche Gebrauchsspuren, die Kanten etwas bestoßen. H 186, B 147, T 62 cm. Ausgeführt von der Hofkunsttischlerei Scheidemantel, Weimar, 1903. Der in Antwerpen geborene Henry van de Velde (1863 - 1957) wurde einmal vom Architekten und Autor Klaus-Jürgen Sembach als "Alleskünstler für Alle" bezeichnet. Sein Werk umfasst alle Materialgruppen der angewandten Kunst, eben alles, womit das Haus, das er plante, ausgestattet werden konnte. Seine Auftraggeber waren anspruchsvoll, und diesen Anspruch übertrug Henry van de Velde auf die Firmen, mit denen er zusammenarbeitete. Ob Reinhold Hanke in Höhr-Grenzhausen, die Königliche Porzellanmanufaktur in Meißen, der Silberschmied Theodor Müller in Weimar oder die Möbelfabrik Scheidemantel - sie alle wurden mit dem Perfektionismus des Henry van de Velde konfrontiert, der nicht in den Kategorien einer Massen- sondern einer "Klassen"-produktion dachte (im Sinne von höchster Qualitätsstufe) und mit seinen Objekten einen Ewigkeitsgedanken verband. Heute sieht man in ihm einen Erneuerer der angewandten Kunst - seine Objekte sind Highlights in den Museen und Ausstellungen, die Kunst um 1900 präsentieren. Zu den Kundinnen van de Veldes gehörte Margarete Mauthner (1863–1947), eine der bedeutenden jüdischen Kunstsammlerinnen des Berliner Bürgertums. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten gelangte sie zu einem späten Nachruhm. Die erste Übersetzerin der Briefe Vincent van Goghs gehörte auch zu den Personen, die schon 1905 Besitzerin eines seiner Gemälde war. Im Verlauf der folgenden Jahre gelang ihr der Ankauf von (laut Walter Feilchenfeldt) acht weiteren bedeutenden van Goghs. Außerdem besaß sie Gemälde und Zeichnungen von Lovis Corinth, Max Liebermann. Max Pechstein, Henri de Toulouse-Lautrec und Pierre-Auguste Renoir. Ihre Kunstsammlung stand exemplarisch für jene Hinwendung zur modernen Kunst, die sie auch in ihrer eigenen Wohn- und Lebenswelt verwirklichte. Wer war diese kunstbegeisterte Frau? Margarete Mauthner selbst verfasste ein Buch über ihre Lebenserinnerungen der Jahre 1915 bis 1917, das für Jahrzehnte ausschließlich ihrer Familie zugänglich war, bis ein Teil 2004 unter dem Titel „Das verzauberte Haus“ publiziert wurde. Einen wesentlichen Beitrag zu ihrer Wiederentdeckung und kunsthistorischen Einordnung leistete die Historikerin Anna-Carolin Augustin, die in ihren ab 2012 erschienenen Beiträgen Mauthner als Sammlerin und Vermittlerin der Moderne in den Blick rückte. Zuletzt erschien ein Beitrag von Stefan Koldehoff im Katalog „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“. Margarete Mauthner wurde am 7. Juli 1863 als Tochter des Bankiers Julius Alexander in Berlin geboren. Der Vater konnte sie lange finanziell unterstützen, auch als sie bereits mit dem Bankierssohn Alexander Pinkuss verheiratet war. Ein Jahr nach der Eheschließung, 1887, kam ihre Tochter Edith (1863-1902) zur Welt. Die Ehe mit Pinkuss hielt nicht lange, auch weil er spielsüchtig war; 1899 ließ sich Margarete scheiden. Wenige Monate später heiratete sie den fünf Jahre jüngeren Edmund Mauthner (1868-1909). Möglicherweise entscheidend für ihren weiteren Lebensweg war ein etwas über einjähriger Aufenthalt bei ihrem Bruder Fritz Alexander in München 1891-92, der genau in die Zeit fiel, als sich die Münchner Secession gründete. Hier entwickelte Mauthner ihre ausgeprägte Affinität zur zeitgenössischen Kunst und zum modernen Design. In Edmund Mauthner hatte sie einen Partner gefunden, der diese Begeisterung teilte und gemeinsam mit ihr und für sie Kunst erwarb. Auch ihre Wohnwelt wurde zum Ausdruck dieses neuen Kunstverständnisses. Das Ehepaar veränderte seinen Einrichtungsstil und vergab Aufträge an Henry van de Velde. Seine Idee, Architektur, Möbel und Gebrauchsgegenstände zu einer künstlerischen Einheit zu verbinden, entsprach Mauthners eigener Hinwendung zu einer modernen, von Kunst geprägten Lebensführung. Befördert wurde ihre Begeisterung durch die Freundschaft mit den drei Cousins Bruno, Paul und Hugo Cassirer. Bei den gemeinsamen Abenden trafen regelmäßig Künstler wie Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt, Erich Hancke und Paul Baum als Gäste ein. Um 1904 sprach Bruno Cassirer die polyglotte Margarete Mauthner an, ob sie für ihn übersetzen würde. Ihre Auswahl aus über 2000 Briefen Vincent van Goghs erschien zunächst als Folge in der Zeitschrift „Kunst und Künstler“, später als von Cassirer verlegtes Buch. 1909 hatte sie einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften: Ihr Mann Edmund verstarb. 1915 heiratete ihre Tochter Edith
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