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Jan Weissenbruch (1822–1880) Ansicht der Grote of St. Bavokerk am Grote Markt in Haarlem, signiert „Jan Weissenbruch f“ (unten links), Öl auf Leinwand, 80 × 108,5 cm, Ausgestellt: – Haarlem, Teylers Museum, „Jan Weissenbruch“, 10. September 2016–8. Januar 2017, Nr. 50. Literatur: – W. Laanstra, „Jan Weissenbruch, Schilder-graficus 1822–1880“, Amsterdam 1986, Abb. S. 119, Nr. O/80-2. – Annemieke Hoogenboom, Terry van Druten, Manon van der Mullen, Jenny Reynaerts und Jeroen Kapelle, „Jan Weissenbruch“, Bussum 2016, Abb. S. 66–67, Nr. 50, dort datiert auf circa 1860. Provenienz:-Auktion, Schloss Reinhartshausen, Berlin, 6. Juni 1932, Los 160.– Auktion, Christie’s, Amsterdam, 27. Oktober 1998, Los 254. Vergleiche dazu eine kleinere Version des Künstlers vom Grote Markt in Haarlem, in: Willem Laanstra, 1986, Abb. S. 75, Nr. O/22.5-2. Jan Weissenbruch studierte an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag bei Malern, deren künstlerische Ideen in der Romantik verwurzelt waren. Seine frühen Werke zeugen von einer Idealisierung der Realität und einer Vorliebe für historische Sujets. Der Einfluss der Stadtansichtsmaler des 17. Jahrhunderts sowie der Einfluss seines Lehrers Salomon Leonardus Verveer (1813–1876) blieben in seinem Werk bis weit in die 1840er Jahre hinein erkennbar. Um 1850 wandte er sich einem etwas realistischeren Stil zu, der sich durch fast fotografische Präzision auszeichnete. Das nun zur Versteigerung angebotene monumentale Gemälde zeigt einen Blick auf die Grote oder St.-Bavokerk auf dem Grote Markt in Haarlem, von Westen aus gesehen. Weissenbruchs Zeitgenossen hätten dieses Gemälde zweifellos mit den zahlreichen Darstellungen der Kirche in Verbindung gebracht, die Gerrit Adriaensz. Berckheyde (1638–1698) zwischen 1665 und 1696 schuf. Die größte Ähnlichkeit weist ein großes Ölgemälde auf Leinwand aus der Sammlung des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (Niederländische Behörde für Kulturerbe) auf, Inv.-Nr. NK2581. Weissenbruch muss dieses Gemälde sicherlich gekannt haben, da er denselben Ort in mehrere seiner eigenen Werke einbezog. Weissenbruchs Gemälde zeigt den Grote Markt, wie er nach 1856 aussah, was durch die Statue von Laurens Janszoon Coster belegt wird, die in jenem Jahr auf dem Platz errichtet wurde. Das Denkmal schuf Louis Royer (1793–1868), ein Bildhauer, der für seine Statuen bedeutender niederländischer Persönlichkeiten bekannt war. Im 19. Jahrhundert wurde Coster, der aus Haarlem stammte, noch immer die Erfindung des Buchdrucks zugeschrieben. Die Statue hebt sich deutlich vom hellen Himmel ab und versperrt den Blick auf den Riviervismarkt im linken Hintergrund. Um sie in seine Komposition einzufügen, platzierte Weissenbruch die Statue auf dem Platz weiter links, als sie in Wirklichkeit stand, und vergrößerte sie geringfügig. Da der Künstler ab 1870, gegen Ende seines Lebens, unter Agoraphobie litt, entstand dieses undatierte Gemälde höchstwahrscheinlich um 1860, wie in der Literatur erwähnt.Im Vergleich zu Berckheyde’s Darstellung der St.-Bavokerk zeigen sich in Weissenbruchs Komposition Unterschiede in der Behandlung von Licht und Schatten. Schatten bedeckt den größten Teil des Daches sowie die Westfassade und ihre Strebepfeiler, wodurch die massive, solide Form des größten Gebäudes der Stadt betont und ihm ein fast romanisches Aussehen verliehen wird. Berckheyde hingegen stellte die Kirche schlanker und hoch aufragend dar.Weissenbruch ließ zudem relativ wenige architektonische Details einfließen – eine Entscheidung, die dem damaligen Erscheinungsbild der Kirche entspricht. In Berckheydes Gemälde ist das große Fenster in der Westfassade deutlich zu erkennen, während es im 18. Jahrhundert bereits zugemauert worden war. Andere architektonische Details wurden erst im Zuge einer umfassenden Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts hinzugefügt. Dazu gehörten die eleganten Fialen an den Strebepfeilern des Obergeschosses, die das Erscheinungsbild der Kirche als gotische Kathedrale unterstreichen sollten. Umgekehrt ließ Weissenbruch bestimmte Details weg, die noch vorhanden waren, wie beispielsweise die runden Fensteröffnungen im zugemauerten Westfenster. Außerdem veränderte er die spitzbogige Form der Oberlichtfenster und stellte sie stattdessen mit abgerundeten Oberkanten dar.Weissenbruch hielt den Grote Markt mit seinem berühmten Gespür für Raum und Licht fest und schuf dabei eine Atmosphäre der Stille, die einzig und allein ihm eigen ist. Die Figuren sind präzise dargestellt, während sie sich über den sonnenüberfluteten Platz bewegen, was das Gefühl der Zeitlosigkeit verstärkt und die Erhabenheit der St.-Bavo-Kirche unterstreicht.
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