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Johann Liss (Deutsch, 1595–1631) Lautenist Öl auf Leinwand 41 5/8 x 33 5/8 Zoll (105,7 x 85,4 cm) Aus dem Nachlass von Botschafter J. William Middendorf II., Rhode Island Gerahmt: 50 3/4 x 42 1/4 x 3 1/4 in. Für einen detaillierten Zustandsbericht wenden Sie sich bitte an Fineart@freemansauction.com. Provenienz: München, Neumeister, Anonyme Auktion vom 1.–2. Juli 1981, Los 717 (als Werk aus dem Kreis von Pieter van Laer). Privatsammlung, Saint Barthélemy. Sotheby’s, New York, Auktion vom 27. Januar 2022, Los 33. Literatur: Rüdiger Klessmann, „Addenda to Johann Liss“, The Burlington Magazine, Bd. 128, Nr. 996, März 1986, S. 192, Nr. 20, abgebildet. Rüdiger Klessmann, Johann Liss: Eine Monografie und ein Werkverzeichnis, Gent 1999, S. 168, Nr. 34, abgebildet. Anmerkung zum Los: Vor einem sanft gemalten blauen Himmel tritt die schattige Gestalt eines Lautenspielers in diesem fast lebensgroßen Gemälde des deutschen Künstlers Johann Liss hervor, das wahrscheinlich Anfang der 1620er Jahre in Venedig entstanden ist. An eine Steinbalustrade gelehnt, richtet der Musiker seinen Blick auf seine Finger, während er sein Instrument stimmt; ein leichtes Lächeln belebt sein volles Gesicht. Sein dunkles Haar ist teilweise unter einem mit üppigen Federn geschmückten, breitkrempigen Hut verborgen, während das satte Rot seines Umhangs einen Kontrast zum strahlenden Weiß seiner Bluse bildet. Durch fließende Pinselführung und ein raffiniertes Zusammenspiel von Licht, Farbe und Tonwertkontrast verleiht Liss der Figur eine beeindruckende Unmittelbarkeit, während die kompositorische Ausgewogenheit die stille Harmonie der Musik heraufbeschwört, die er zu spielen im Begriff ist. Das Motiv des poetischen Musikers, das seinen Ursprung in der venezianischen Tradition im Umfeld von Giorgione und seinem Kreis hat, wurde später von Anhängern Caravaggios aufgegriffen. Vergleichbare Lautenspieler tauchen in Werken von Bartolomeo Manfredi, Nicolas Tournier und Valentin de Boulogne auf. In seiner Konzeption, der kompositorischen Anordnung und dem Umgang mit dem Licht weist Liss’ Gemälde eine enge Verwandtschaft zu Manfredis „Lautenist“ auf. Die genaue Datierung von Liss’ „Lautenist“ bleibt ungewiss, was zum Teil auf die spärlichen dokumentarischen Belege zur Laufbahn des Künstlers zurückzuführen ist. Im Jahr 1986 ordnete Konrad R. Klessmann das Gemälde Liss’ erster venezianischer Schaffensphase in den frühen 1620er Jahren zu, revidierte seine Einschätzung jedoch 1999 und schlug eine Datierung in die späten 1620er Jahre vor. Diese spätere Datierung stützte sich auf die lockere, kraftvolle Pinselführung des Gemäldes, die Klessmann mit Liss’ „Opferung Isaaks“ in den Uffizien verglich, das auf circa 1629–30 datiert wird. Dennoch erscheint die frühere Datierung überzeugender. Sowohl das Sujet als auch die stilistische Umsetzung des „Lautenisten“ weisen einen ausgeprägten nordischen Charakter auf und erinnern an die geselligen Szenen, die Liss während seiner prägenden Jahre in den Niederlanden erlebt haben dürfte.
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