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live 12. November | 02:00 PM
Karl & Faber

78 - Józef von Brandt (1841 Szczebrzeszyn/Polen –Radom/Polen 1915), Pferdefang in der Puszta (Einfangen eines Pferdes mit dem Lasso).

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Józef von Brandt (1841 Szczebrzeszyn/Polen –Radom/Polen 1915), Pferdefang in der Puszta (Einfangen eines Pferdes mit dem Lasso). Öl auf Leinwand, doubliert. (Ca. 1880). Ca. 56 x 41 cm. Es ist eine Szene, wie man sie aus alten Westernfilmen kennt, in der Cowboys versuchen, ein wildes Pferd mit dem Lasso einzufangen und zu bändigen – eine dramatisch aufgeladene Szene voller Dynamik und Bewegung, voller Staub und Lärm, nur dass es sich um keinen Filmstill aus einem Western handelt, sondern um eine Erzählung aus dem Osten Europas. Tataren – erkennbar an ihrer charakteristischen Kopfbedeckung, dem Kalpak – haben eine wilde Pferdeherde aufgebracht und ein sich aufbäumendes Pferd mit dem Lasso gefangen. Drei Tataren halten das Lasso und stemmen sich mit aller Kraft in den Boden, während ein Tatare auf das panische Pferd zu springen versucht, um es zu bändigen. Berittene, über den Hügel sprengende Tataren am rechten Rand versuchen, das Pferd von der Herde zu trennen. Ausschnitthaft verdichtet, trägt das Gemälde eine Dynamik in einer Weise vor, die den Betrachter fast überfordert – die verschiedenen, gegenläufigen Bewegungen von Mensch und Tier erzeugen ein Spannungsfeld voller Energie und drängender Konzentration auf einem kleinen Hügel, in dem sich der Betrachter erstmal zurechtfinden muss. Alles vibriert, ist voller Drang und man meint, die Schreie und das Hufgeklapper der Pferde förmlich zu hören. Der Bildaufbau aus Diagonalen, aus Verkürzungen und die ungewöhnliche Perspektive als Aufsicht von unten verstärken diesen Effekt. Und dann die Malerei, die den Eindruck dieser ungebändigten Energie und Dynamik trägt – schnell hingeworfen, skizzenhaft bis an die Grenzen einer fast vorimpressionistischen Formauflösung ausgeführt, entsteht ein flirrendes Gewirr aus Formen und Farben, das in seiner vitalen Expressivität kaum zu übertreffen ist. Schöpfer dieser dramatischen Szene ist der polnische Maler Józef Brandt, einer der bedeutendsten Vertreter der Münchner Schule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn der 1880er-Jahre hatte sich Brandt in mehreren Gemälden der besonderen Interaktion zwischen Mensch und Tier gewidmet – meist in Gemälden, in denen Kosaken oder Tataren die ungestüme Kraft von wilden Pferden zu bändigen versuchen. Unser neu aufgetauchtes, bisher unbekanntes Werk ist die vorbereitende Ölskizze zu einem der bekanntesten Gemälde Brandts, das er 1881 geschaffen hat und das sich heute in der Nationalgalerie Lwiw (Lemberg) in der Westukraine befindet (Abb.). Seinem Kalendarium zufolge arbeitete Brandt bereits seit 1880 an dem Gemälde, so dass man davon ausgehen kann, dass unsere Ölskizze in diesem Jahr entstanden ist. In ihr schildert Brandt den Kampf zwischen Mensch und Pferd, das traditionell Freiheit, Vitalität und die ungezähmte Kraft der Natur verkörpert. Es ist der existenzielle Kampf des Menschen, der sich durch Mut, Geschicklichkeit und Härte diese elementaren Kräfte untertan machen möchte. Dabei war Brandt berühmt dafür, solche Szenen so effektvoll zu inszenieren, dass sie heute wie filmische Momentaufnahmen wirken. Er war 1863 nach München gekommen, hatte bei Carl Theodor von Piloty an der Akademie studiert und bei dem Pferdemaler Franz Adam sowie dem Orientalisten Theodor Horschelt Privatunterricht genommen. Brandt blieb bis zu seinem Tod in München ansässig und widmete sich zumeist nostalgischen Themen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, in denen die Freiheit der Kosaken und Tataren in den Steppen des polnischen Ostens verherrlicht wurde. Brandt hatte zahlreiche Reisen in diese östlichen, heute in der Westukraine liegenden Steppenlandschaften der Kresy unternommen, die im kollektiven Gedächtnis Polens als Orte der Freiheit galten. In einer Zeit, in der Polen zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt war und als Staat nicht existierte, verkörperten die dramatischen Reiterkämpfe das Idealbild von Unabhängigkeit und Wehrhaftigkeit. Die europäischen Revolutionen 1830 und 1848 hatten auch Polen erfasst, wurden zwar in der Folge niedergeschlagen, bildeten aber die Grundlage für ein ausgeprägtes polnisches Nationalbewusstsein. Für das Publikum hatten solche Gemälde deshalb eine stark patriotische Komponente, in der die energiegeladenen Darstellungen Brandts und seiner Kollegen aus der glorreichen Vergangenheit und der wilden Natur als Projektionsfläche für nationale Identität und Freiheit dienten. Es war der Beitrag der Künstler zur Entwicklung einer identitätsstiftenden, national-polnischen Malerei, in der die Rückbesinnung auf die vor der Teilung 1795 bestehende polnische Adelsrepublik, deren Herrschaftsgebiet sich bis an die Ränder des Osmanischen Reiches erstreckt hatte, auf die Errichtung eines polnischen Nationalstaats verweist. 1880, als unser Gemälde entstand, war Brandt in München unbestrittenes Haupt der Polenkolonie, die sich dort in der zweiten Jahrhunderthälfte aus Intellektuelle

Auktion

Auction 347 | Old Masters & 19th Century Art
Donnerstag, 12. November
02:00 PM
Amiraplatz 3
80333 Munich, Deutschland

Auktionshaus

Karl & Faber +(49)8.92.21.868 info@karlundfaber.de
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