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Carl Spitzweg (1808 - München - 1885), Jäger mit Dirndl. Öl auf Leinwand. Ca. 30,5 x 23 cm. Monogrammiert mit S im Rhombus unten links. Detlef Rosenberger, Oberostendorf, hat die Authentizität des Gemäldes nach Ansicht im Original bestätigt und wird es in das in Vorbereitung befindliche digitale Werkverzeichnis der Gemälde Spitzwegs aufnehmen. Die Liebe und ihre Verwicklungen besitzen in Spitzwegs Werk einen hohen Stellenwert, auch weil ihr Erlebnis in seiner Biografie einschneidend war: Seine große Liebe, die verheiratete Clara Lechner verstarb noch vor der geplanten Hochzeit an einem Lungenkatarrh und nach diesem schmerzhaften Verlust ging Spitzweg keine ernsthafte Beziehung mehr ein. Er blieb sein Leben lang jener Hagestolz, den er in seinen Gemälden unzählige Male thematisiert hat. Vielleicht deshalb schildert Spitzweg Begegnungen der Geschlechter häufig als Bilder der Resignation, als verpasste Möglichkeit des Mehr – Bildtitel wie „Nix is“ oder „Vorüber“, in denen ein Jäger einer Sennerin begegnet, beschreiben die Aussichtslosigkeit und Vergeblichkeit der Liebe: Der Jäger dreht sich um und wirft ihr einen sehnsüchtigen Blick voller Resignation hinterher – vorbei ist die Zeit der Jugend, diese junge Frau ist für ihn nicht mehr erreichbar. Aber dann wechselt Spitzweg auf unserem Gemälde doch die Perspektive: Ein junger Mann in Jagdausrüstung spaziert mit einem Bauernmädchen auf einem schmalen Pfad in das Waldinnere. Er hält sie umfasst, sie sind einander zugetan und blicken sich in die Augen – ein Moment sich erfüllender Liebe, die der Jugend vorbehalten ist. Der tiefe, dunkle Wald legt sich schützend um sie, er verbirgt Ihr Geheimnis und bewahrt ihre Intimität, schirmt sie ab gegen neugierige Blicke – nur der Betrachter wird Zeuge Ihres Tête-à-Tête. Das Paar ist im Begriff, sich tiefer in den dunklen Wald zu begeben, der mächtig wirkt, doch nicht bedrohlich – vielmehr hüllt das Dickicht sie sanft ein, verschmelzen Mensch und Natur in ihm farblich und atmosphärisch. Der Wald ist bei Spitzweg emotionaler Bedeutungsträger, und das Paar wird Teil des organischen Waldgefüges. Der Pfad wiederum, der ins Dunkel führt, symbolisiert den Weg der Liebenden aus dem Dunkel des Waldes zum Licht – über ihnen öffnen sich die Baumkronen und geben den Blick frei auf ein Stück des sonnigen, blauen Himmels. Diese besondere Lichtregie, der Kontrast zwischen der Finsternis des Waldes und dem Ausblick in den hellen Himmel, ist charakteristisch für nahezu alle Waldbilder Spitzwegs. Spitzweg hat das Motiv in zahlreichen Fassungen wiederholt und variiert – am ähnlichsten in einem im Gegenstand vollkommen übereinstimmenden, in der Lichtregie jedoch veränderten Gemälde in Kassel (Hessen Kassel Heritage, Neue Galerie, Inv. Nr. AZ 134, Wichmann 1480) mit dem gleichen Liebespaar, zu dem sich in Hamburg eine Vorzeichnung befindet (Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. 1916-458). Die Wiederholungen und Varianten sprechen für eine hohe Akzeptanz des Themas bei seinen bürgerlichen Sammlern, die in solchen Gemälden nicht nur ihre Sehnsucht nach einer unberührten Natur fanden, sondern in der Person des Jägers auch mit ihrer eigenen Lebenswelt konfrontiert wurden: Die Revolution von 1848 hatte das Vorrecht des Adels zur Jagd aufgehoben und in deren Folge 1850 ein Revierjagdsystem eingeführt, das den Einsatz professioneller Jäger und Förster erforderte, die für den Schutz der Wälder verantwortlich waren. Die häufig dem Bürgertum entstammenden lokalen Förster und Jäger waren als obrigkeitliche Staatsdiener im sozialen Gefüge der bayerischen Dörfer oft isoliert und wurden von der Landbevölkerung gemieden, was Kontakte zwischen ihnen erschwerte. Ehen etwa mit Einheimischen waren schwierig, doch bot der dunkle Wald Gelegenheiten, sich heimlich zu treffen und Verbindungen anzubahnen – der genaue Beobachter Spitzweg nutzt so das Motiv der Natur, um in seinen Gemälden ein Stück gesellschaftliche Realität zu schildern und abzubilden. Dr. Peter Prange Provenienz: Karoline Friederike Oetker (1867-1945), Bielefeld/Rittergut Hornoldendorf; Privatsammlung, Süddeutschland (durch Erbschaft von Vorgenannter). Taxation: differenzbesteuert (VAT: Margin Scheme).
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