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live 12. November | 02:00 PM
Karl & Faber

63 - Carl Spitzweg (1808 - München - 1885), Der Gratulant.

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180.000 - 250.000 €

Verkaufsgebühren

34 %

Carl Spitzweg (1808 - München - 1885), Der Gratulant. Öl auf Eichenholzplatte. (Um 1860). Ca. 28,5 x 14 cm. Monogrammiert S im Rhombus unten rechts und verso. Wichmann 327. Mit einem Gutachten von Adolf Alt, München vom 9.9.1931 (in Kopie). Mit einem Gutachten von Dr. Eberhard Hanfstaengl, München vom 21.8.1963 (in Kopie). Es ist ein typisches Gemälde für Carl Spitzweg – auf dem schmalen Hochformat wird der Blick des Betrachters auf einen kleinen Hof in einem mittelalterlich anmutenden Städtchen gelenkt, in dessen Zentrum die Rückenfigur des Gratulanten steht. Bekleidet mit einer altmodischen, mittelalterlichen Schaube und dem Barett auf dem Kopf wartet er auf seine Angebetete: In beiden Armen jeweils eine üppig blühende Pflanze, richtet er seinen Blick in der Hoffnung nach oben, seine Angebetete möge sich zeigen – doch statt ihrer trifft er auf ihre Mutter oder Gouvernante, die sich im ersten Stock aus dem Fenster lehnt. Wie so häufig erzählt Spitzweg auch hier vom Scheitern der hoffnungsvollen Liebe, wenn sich die Geschlechter treffen. Der strenge, misstrauische Blick der Mutter zerstört jede Illusion; das, was Spitzweg als romantisierende Idylle erzählt, erweist sich bei näherer Betrachtung als Trugbild: Die feierliche, fast schüchterne Geste des alternden, aus der Zeit gefallenen Junggesellen läuft durch die unerwartete Begegnung mit der Mutter ins Leere – der Mann lebt in einer romantischen, rückwärtsgewandten Traumwelt, die mit der harten Realität bürgerlicher Konventionen kollidiert. Der Gratulant steht vor dem verschlossenen Tor, das ihm den Eingang in diese Welt verwehrt. Die Bildform tut ein Übriges: Das schmale Hochformat verdeutlicht die Hierarchien, in der der zuversichtliche, aber naive Werber im grellen Licht der Hoffnung steht, während über ihm im Schatten des Fensters die Mutter erscheint, die ihn abblitzen lässt. Es ist diese Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Hoffnung und Enttäuschung, die Spitzwegs Gemälden jene Note von Komik und Humor verleiht, mit denen er bürgerliche Konventionen entlarvt. Das Werben ereignet sich vor der Kulisse einer mittelalterlich anmutenden Kleinstadt mit Fachwerkhäusern, idyllischem Brunnen im Vordergrund, doch auch kleinen Fenstern und einer Enge, die sich hinter dem verschlossenen Tor fortsetzt, wo die Häuser dicht gedrängt beieinander stehen und nur einen spärlichen Blick auf den blauen Himmel erlauben. Spitzwegs Städte sind Konzentrate auf kleinem Raum, häufig von fast klaustrophobischer Enge, die gleichzeitig aber auch Schutz gewährleisten. Es ist dieses Nebeneinander von Enge und Geborgenheit bei Spitzweg, das man allgemein mit der Epoche des Biedermeiers verbindet, in der sich nach dem Ende des Wiener Kongresses 1815 und der folgenden Restauration das Bürgertum ins Private zurückgezogen hatte. Gleichzeitig entstand ein Klima der geistigen Enge, in dem Zensur und Bespitzelung durch die Obrigkeit an der Tagesordnung waren – auch in Spitzwegs Bildern bleibt nichts geheim, wird jeder Schritt im öffentlichen Raum beobachtet: Hier wacht die strenge Moral, verkörpert durch die Mutter im Fenster, über die Annäherungsversuche der Geschlechter. Spitzwegs Gemälde sind abseits ihres Humors und ihrer Komik auch immer Milieustudien, in denen das Thema der sozialen Kontrolle einen breiten Raum einnimmt. Spitzweg hat sich in zahlreichen Versionen und Varianten (Wichmann 322-327) dem Thema des Gratulanten bzw. des Werbers in einer Weise gewidmet, die über die Widersprüche bürgerlicher Konventionen hinaus seine eigene Biografie berührt – Spitzweg blieb nach dem Tod seiner großen Liebe in jungen Jahren sein Leben lang ein Werber, der keine engere Beziehung mehr einging. Dr. Peter Prange Ausstellung: Carl Spitzweg. Reisen und Wandern in Europa. Der Glückliche Winkel, Seedamm Kulturzentrum Pfäffikon SZ, Stiftung Charles und Agnes Vögele, 24.1.2002–5.1.2003 / Haus der Kunst, München, 24.1.–4.5.2003, Kat.-Nr. 192. Literatur: Wichmann, Siegfried, Carl Spitzweg. Der Gratulant, Dokumentation, Starnberg-München, R.f.v.u.a.K. 1991, S. 5ff, Bayer. Staatsbibl. München, Inv.-Nr. Ana 656 SW 43; Wichmann, Siegfried, Carl Spitzweg. Der Gratulant. Dokumentation, Starnberg-München, R.f.v.u.a.K. 1996, S. 13ff, Bayer. Staatsbibl. München, Inv.-Nr. Ana 656 SW 108. Provenienz: Galerie Grosshennig, Düsseldorf, 1955; Privatbesitz, Westdeutschland; Europäischer Privatbesitz; Koller Auktionen, Zürich, 22.9.2017, Los 3218; Privatsammlung, Süddeutschland. Taxation: differenzbesteuert (VAT: Margin Scheme).

Auktion

Auction 347 | Old Masters & 19th Century Art
Donnerstag, 12. November
02:00 PM
Amiraplatz 3
80333 Munich, Deutschland

Auktionshaus

Karl & Faber +4989221868 info@karlundfaber.de
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