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Karl & Faber

6 - David Teniers d. J. (1610 Antwerpen - Brüssel 1690), Versuchung des heiligen Antonius.

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David Teniers d. J. (1610 Antwerpen - Brüssel 1690), Versuchung des heiligen Antonius. Öl auf Leinwand. Ca. 84 x 114 cm. Signiert unten rechts im Stein. Wir danken Dr. Margret Klinge, die die Zuschreibung des vorliegenden Gemäldes an David Teniers den Jüngeren nach Prüfung des Werks im Original bestätigt hat. Sie datiert das Gemälde in die Zeit von Teniers’ Aufenthalt in Brüssel zu Anfang der 1670er Jahre. Ein schriftliches Gutachten vom Oktober 2026 liegt vor. Zwischen Heiligenlegende, fantastischem Spuk und fein beobachteter Genremalerei entfaltet David Teniers der Jüngere in seiner „Versuchung des heiligen Antonius“ eine ganze Welt im Kleinen. Inmitten einer überwucherten Ruinenarchitektur sitzt der greise Eremit über seinen Büchern. Kruzifix und Totenschädel verweisen auf Andacht und Vergänglichkeit, doch um Antonius herum ist die Welt aus den Fugen geraten: Groteske Mischwesen aus Mensch und Tier kriechen über den Boden, musizieren und bedrängen den Heiligen. Das Unheimliche verbindet sich dabei mit dem Komischen – die Dämonen wirken weniger furchterregend als verschroben, mitunter geradezu possierlich. Gerade diese augenzwinkernde Verwandlung des religiösen Themas in eine höchst unterhaltsame Bilderzählung ist charakteristisch für Teniers’ Antonius-Darstellungen. Die eigentliche Versuchung tritt dem Heiligen in überraschend eleganter Gestalt entgegen. Eine junge Frau nähert sich von links und reicht Antonius ein Glas Rotwein. Nichts an ihrer Erscheinung erinnert zunächst an die dämonischen Kreaturen, die das Geschehen bevölkern. Im Gegenteil: Mit ihrem hellen, kostbaren Kleid, dem weit schimmernden Rock, den modisch gepufften Ärmeln und dem sorgfältig frisierten Haar erscheint sie wie eine Dame aus der vornehmen Gesellschaft von Teniers’ eigener Zeit. Erst im Zusammenhang der Szene wird ihre Rolle deutlich: Schönheit, Wein und weltlicher Genuss werden selbst zur Versuchung. Teniers holt die jahrhundertealte Heiligenlegende damit unmittelbar in die Lebenswelt seiner Betrachter. Auch vergleichbare Antonius-Darstellungen des Künstlers zeigen die Verführerin als modisch gekleidete junge Frau mit einem Weinglas, deren dämonisches Wesen sich oftmals erst in kleinen, grotesken Details offenbart. Besonders fein erzählt ist die Gruppe zu ihren Füßen. Zwei kleine Pagen begleiten die elegante Erscheinung und sind ebenso sorgfältig nach der Mode des 17. Jahrhunderts gekleidet. Ihre Anwesenheit verleiht dem Auftritt der Dame etwas Höfisches: Für einen Augenblick könnte man meinen, einer vornehmen Visite beizuwohnen. Daneben drängen sich jedoch die sonderbarsten Kreaturen – langnasige, schnabelartige und tierfüßige Wesen, kleine Ungeheuer und groteske Musikanten. Realität und Fantasie gehen ohne sichtbare Grenze ineinander über. Teniers kostet diese Gegensätze mit sichtlichem Vergnügen aus. Man entdeckt das Bild nach und nach: den Dämon im Gewand einer alten Frau, die merkwürdigen Tiere am Boden, die musizierenden Wesen und die kleinen fliegenden Ungeheuer im Halbdunkel des Gemäuers. Das Thema beschäftigt Teniers über Jahrzehnte und nimmt innerhalb seines außerordentlich vielfältigen Œuvres eine besondere Stellung ein. Er knüpft dabei an eine niederländische Bildtradition an, die von Hieronymus Bosch über Pieter Bruegel d. Ä. bis zu Jan Brueghel reicht. Deren fantastische Dämonenwelt übersetzt er jedoch in seine eigene Bildsprache. Motive aus seinen Bauernstuben, Wirtshausszenen und ländlichen Genreszenen wandern in die religiöse Darstellung ein; selbst die Teufel benehmen sich bisweilen wie die trinkenden, musizierenden oder streitenden Figuren seiner Alltagsszenen. Das ursprünglich religiöse Bildthema rückt bei Teniers dabei immer stärker in die Nähe der Genremalerei. Nicht Schrecken und moralischer Ernst stehen im Vordergrund, sondern der erzählerische Reiz der Szene: feiner Humor, Freude am Grotesken und eine schier unerschöpfliche Lust an immer neuen, fantasievollen Details. Unser Gemälde gehört in Teniers’ Brüsseler Schaffenszeit der 1670er Jahre, also in die reife Phase eines Künstlers, der längst zu den erfolgreichsten flämischen Malern seiner Generation zählte. Bereits 1651 war er nach Brüssel übergesiedelt und dort Hofmaler und Kustos der berühmten Gemäldesammlung Erzherzog Leopold Wilhelms geworden. Seine Tätigkeit am Hof brachte ihn in unmittelbaren Kontakt mit hochrangigen Sammlungen und einem aristokratischen Publikum; zugleich verfeinerte sich seine Genremalerei zunehmend und bezog auch Szenen des modischen gesellschaftlichen Lebens ein. Vor diesem Hintergrund erhält der elegante Auftritt der Verführerin mit ihren kleinen Begleitern einen besonderen Reiz: Die Welt höfischer Erscheinung und die fantastische Sphäre der Antoniuslegende begegnen sich auf engstem Raum. Bemerkenswert ist jedoch, dass Teniers das Geschehen keineswegs allein über die Figuren erzählt. Einen wesentlichen Anteil an der

Auktion

Auction 347 | Old Masters & 19th Century Art
Donnerstag, 12. November
02:00 PM
Amiraplatz 3
80333 Munich, Deutschland

Auktionshaus

Karl & Faber +(49)8.92.21.868 info@karlundfaber.de
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