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Karl & Faber

1 - Florentinisch, Thronende Madonna mit segnendem Jesuskind umringt von Heiligen.

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Florentinisch, Thronende Madonna mit segnendem Jesuskind umringt von Heiligen. Tempera auf Holz, Goldgrund. (Späte 1390er Jahre). Gesamtmaß mit Rahmen ca. 69,5 x 43 cm. Die florentinische Malerei des 14. Jahrhunderts gehört zu den bedeutendsten Kapiteln der italienischen Kunstgeschichte. Mit Giotto vollzog sich zu Beginn des Jahrhunderts ein grundlegender Wandel der Bildsprache: An die Stelle der strengen, von byzantinischen Traditionen geprägten Darstellung traten eine neue Körperlichkeit, räumliche Tiefe und eine zunehmend menschliche Auffassung der heiligen Figuren. Diese Errungenschaften wurden von den nachfolgenden Künstlergenerationen aufgegriffen und mit der dekorativen Pracht und feierlichen Würde der gotischen Malerei verbunden. Besonders in der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelte sich in Florenz eine reiche Tradition religiöser Tafelmalerei, in der die Darstellung der Madonna mit dem Christuskind eine zentrale Stellung einnahm. Zu den wichtigen Vertretern dieser Entwicklung gehörten die Brüder Andrea, Nardo und Jacopo di Cione, deren Werkstätten das künstlerische Leben in Florenz über mehrere Jahrzehnte maßgeblich mitprägten. Während Andrea di Cione, genannt Orcagna, zu den herausragenden Malerpersönlichkeiten der Jahrhundertmitte zählte, führte sein jüngerer Bruder Jacopo die familiäre Werkstatttradition bis in die letzten Jahre des Trecento fort. Seine Malerei zeichnet sich durch eine ausgewogene, klar gegliederte Komposition, eine würdevolle Auffassung der Figuren und eine besondere Vorliebe für kostbare ornamentale Details aus. In seinen späteren Arbeiten verbindet sich die monumentale Strenge der älteren florentinischen Tradition mit einer zunehmend verfeinerten, höfisch geprägten Formensprache. Die thronende Madonna mit dem segnenden Christuskind bildet das Zentrum der vorliegenden, eindrucksvollen Tafel. Zu beiden Seiten erscheinen Heiligenfiguren, während zwei Engel hinter dem Thron ein kostbar ornamentiertes Ehrentuch halten. Zwei weitere Engel begleiten die Szene in den oberen Zwickeln. Die streng symmetrische Anordnung verleiht der Darstellung eine feierliche Geschlossenheit, die durch die sanft modellierte Gestaltung der Gesichter, Gewänder und ornamentalen Details aufgelockert wird. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel des reich gemusterten roten Ehrentuchs mit dem Goldgrund, dessen kostbare Wirkung durch die fein ausgeführten Verzierungen gesteigert wird. Die Figurenauffassung und die kompositorische Anlage lassen an das späte Schaffen Jacopo di Ciones denken. Die ovalen Gesichter, die zurückhaltenden Gesten und die ruhige, beinahe entrückte Präsenz der Heiligen weisen stilistische Berührungspunkte mit seiner Malerei auf. Die Tafel könnte daher im Spätwerk des Künstlers, in den 1390er Jahren, entstanden sein. Auch die Verbindung einer klaren, hierarchisch geordneten Bildstruktur mit der Freude an reichen Stoffmustern und differenzierten Goldornamenten fügt sich überzeugend in die florentinische Malerei dieser Zeit ein. In der Darstellung begegnen sich zwei wesentliche Anliegen der spätmittelalterlichen Sakralkunst: die Vergegenwärtigung Marias als erhabene Himmelskönigin und ihre zugleich menschlich-innige Beziehung zum Christuskind. Die kostbare Ausstattung, die feierliche Versammlung der Heiligen und die auf die Madonna ausgerichtete Komposition verleihen dem Bild einen repräsentativen Charakter. Das Werk vermittelt auf eindrucksvolle Weise zwischen der monumentalen Bildtradition des florentinischen Trecento und jener verfeinerten, dekorativen Eleganz, die den Übergang zur Malerei des frühen 15. Jahrhunderts kennzeichnet. Provenienz: Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (seit mehreren Generationen in Familienbesitz). Taxation: differenzbesteuert (VAT: Margin Scheme).

Vente

Auction 347 | Old Masters & 19th Century Art
jeudi 12 novembre
14:00
Amiraplatz 3
80333 Munich, Allemagne

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