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Fiammingo, Paolo (eigtl. Pauwels Franck) - Umkreis Anntwerpen 1540 - Venedig 1596 119 x 163 cm Pyramus und Thisbe. Öl/Lwd., doubl. Privatsammlung, Süddeutschland. Wahrscheinlich geht das tragikkomische Trauerspiel um das babylonische Liebespaar Pyramus und Thisbe vor allem auf Ovids Metamorphosen zurück. Das unglückliche Paar, das zueinander nicht kommen darf (Feindschaft der Eltern), verabredet ein heimliches Treffen am Rande des Waldes. Thisbe trifft als erste an diesem verschwiegenen Ort ein, muß aber augenblicklich vor einer Löwin fliehen, die mit blutigem Maul (von frisch gerissenem Vieh) aus einer Quelle trinkt…Sie verliert ihren Schleier, der nun vom Blut der Löwin besudelt wird. So findet Pyramus das blutige Tuch seiner Geliebten, wähnt sie von der Bestie zerrissen und stürzt sich in seiner Verzweiflung in das Schwert. Als Thisbe zurückkehrt, erkennt sie das Geschehene und tötet sich, überwältigt von Schmerz und Liebe, mit dem vom Blut des Pyramus noch warmen Schwert. Selten ist diese finale (kuriose) Szene so monumental in ein Landschaftsumgebung gesetzt worden. Rechts im Anschnitt zur Bildkante ein schöner terrassierter Renaissancebrunnen, der mit einem wasserspeienden Delphin geschmückt ist, links am Waldessaum verschwindet die winzige Löwin ins Dickicht, üppiges Blattwerk säumt hier mit saftigem dunklem Grün die Szenerie, während in den Gewänder der Figurengruppe die typischen Farben der Zeit, Rosa, Goldgelb und Karminrot, in kräftigem Dreiklang dominieren. Der Blick des Betrachter wird von einem hellerleuchteten Pfad hinabgeführt in ein weites Tal, das ganz eingenommen wird von der Stadt Babylon mit Tempeln und Türmen, alles an italienische Stadtlandschaften erinnernd. Ein breite Fluß, dahinter eine sich weit hinziehende Berglandschaft vor einem dramatisch aufblitzenden, wolkenverhangenen Gewitterhimmel. Gemahnen Waldlandschaft, Baumschlag und Blattwerk an flämische Maler wie Coninxloo oder die am Horizont verschimmernde Stadt-und Flußlandschaft gar an die frühen Gemälde eines Joachim Patinir, so muß man mindestens in der Figur der Thisbe unweigerlich italienisches, ja venezianisches erkennen. Paolo Fiammingo war in beiden Malschulen zuhause, in der flämischen und in der venezianischen. 1540 in Antwerpen geboren, später Meister in der St. Lukas-Gilde, Arbeiten für Fugger in Augsburg, übersiedelte er 1573 nach Venedig, wo er ein Schüler von Jacopo Tintoretto wurde. Einer seiner bedeutendsten Auftraggeben aber war Rudolph II, Kaiser des Römischen Reiches, König von Böhmen und Ungarn und Mäzen des strahlenden Kunstzentrums Prag. Spätesten seit den 1580er Jahren, mit zahlreichen Aufträgen, die er auch für die Fugger-Familie ausführte, verfügte Fiammingo vermutlich über eine größere Werkstatt mit zahlreichen Mitarbeitern, die ihm diese Arbeiten erst ermöglichten.
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