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Seltene Darstellung des Heiligen Martin zu Fuß, aus Lindenholz geschnitzt, mit Resten von Polychromie; der Rücken ist teilweise ausgehöhlt. Er steht aufrecht und leicht in die Hüften gestützt da, bekleidet mit einer Rüstung und einem weiten Mantel, von dem er gerade im Begriff ist, mit seinem Schwert einen Zipfel abzuschneiden; realistisch gestaltetes Gesicht mit feiner Nase und markanten Wangenknochen; üppiges, lockiges Haar, das wie eine Krone fällt. Süddeutschland, Ulm oder Augsburg, Gregor Erhart (Ulm, um 1465/70 – Augsburg, 1540) zugeschrieben, um 1480–1500 Höhe: 102 cm Leichte Beschädigungen, frühere Restaurierungen im unteren Bereich am Sockel Gregor wurde in Ulm in der Werkstatt seines Vaters Michel Erhart (tätig zwischen 1469 und 1522) ausgebildet und setzte anschließend seine Karriere in Augsburg fort, wo er ab 1494 urkundlich erwähnt wird. Als versierter Bildhauer arbeitete er sowohl mit Bronze als auch mit Stein und wirkte gemeinsam mit anderen Augsburger Meistern an zahlreichen Altarbildern mit. Die Barmherzigkeitsmadonna des Altarbildes von Kaisheim in Bayern, das einzige nachweisliche Werk aus seiner Hand, ist jedoch leider 1945 verschwunden. Kunsthistoriker haben daher versucht, ein Korpus von Skulpturen zusammenzustellen, die ihm zugeschrieben werden können. Man ist sich einig, in seinem Stil, den er von seinem Vater geerbt hat, eine besondere Harmonie und Sanftheit zu erkennen, die die berühmte Maria Magdalena im Louvre auf vollendete Weise verkörpert (Inv. RF 1338). So findet sich in diesem Heiligen Martin in Rüstung, bereit, sein Werk der Nächstenliebe zu vollbringen – ursprünglich stehend und nicht zu Pferd dargestellt –, eine friedliche Anmut von großer Zurückhaltung. Provenienz: - Sammlung Eugène von Miller zu Aicholz (1835–1919), Wien - Sammlung Camillo Castiglioni (1879–1957), Wien (Auktion Amsterdam, 13.–15. Juli 1926, Ant. W. M. Mensing, Sammlung Camillo Castiglioni aus Wien, Los 128, S. 35, Meister aus Süddeutschland, Tirol, um 1500) - Sammlung Jean Bruchet in Belgien Literaturverzeichnis: - Ausstellung: „Martin von Tours – vom Legionär zum heiligen Bischof“. Lüttich, 1994, Kat. 13, S. 128–129 Herangezogene Literatur: - S. Guillot de Suduiraut, „Andacht und Verführung – Schwäbische Skulpturen in französischen Museen um 1460–1530“, Paris, 2015, S. 162–166. Sachverständige: Frau Laurence FLIGNY
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