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Curt Querner "Junge aus dem Dorf". 1935. Curt Querner 1904 Börnchen – 1976 Kreischa Aquarell auf strukturiertem Bütten. U.re. in Blei signiert und datiert "Querner 1935". Freigestellt im Passepartout montiert und hinter Museumsglas mit UV-Schutz in einer gekehlten Holzleiste gerahmt. WVZ Dittrich B 79, dort mit leicht abweichenden Maßangaben. Am 4.3.1938 notierte Curt Querner in seinem Tagebuch: "Ich dachte an mein bisheriges Malen. Wie hätte es sich gestaltet, wenn ich dieses, jenes nicht getan hätte – wer weiß es? Feststeht eins: Die Erlebnisse des Jahres 1932, vorwiegend der Zusammenbruch des politischen Denkens, das Wachwerden aus der Massensuggestion, brachten die erste entscheidende Änderung mit sich. Die Schwangerschaft von Gina, das Vaterwerden ebenfalls. Das Jahr 1933 lenkte das Auge auf das bäuerliche Leben hin und setzte gleichzeitig den Abschluß unter die besten Bilder, die ich gemalt habe. Aber die Dinge, die ich beim Hausierhandel der Jahre 1930–32 erlebt habe, sind noch nicht gemalt worden. Ich denke an die fahlen Gesichter der kleinen Bauern im Erzgebirge, die violetten Gesichter mit strohblonden Haaren oder die Kinderköpfe mit roten Kopftüchern (diese habe ich ja teilweise gemalt). Aber die Weiber mit den Sackschürzen vorm dicken Bauch, die in Löwenhain, die in Porsdorf mit dem kartoffelfarbenen Gesicht, die Alte in der vollkommen verluderten Wirtschaft, wo ein pestilenzartiger Gestank war, wo alle Farben Graus, Brauns im Grundton waren. – Dieses Abgearbeitete, dieses schöne Farbenspiel in Ocker, Graus, Violetts, wo es gleich ist, ob eine Nase oder Mund oder Wange, Haar, Tuch gemalt ist, alles gleichmäßig im Ton erscheint, das habe ich noch nicht gemalt. […] – Die Menschen, das Drum und Dran eines Bauernhofes mit seinen schönen Farben, das hat hier noch keiner gut gemalt! Was ist mir das gleichgültig, was man da über Malerei trompetet! Was man da für Reden, Redensarten führt. Ich will das Oben und Unten malen, die beiden Seiten der Menschen, das Helle wie das Dunkle – alles andere ist mir gleichgültig, nur gut malen! Ich bin gegen alle Armeleute-Malerei, gegen alle sogenannte Tendenz, gegen das Eine wie das Andere. Malerei muß gut sein, und es gibt nur den Unterschied – gute oder schlechte Bilder!" (zitiert nach: Hans-Peter Lühr (Hrsg.): Curt Querner. Tag der starken Farben: aus den Tagebüchern 1937 bis 1976. Sonderausgabe Dresdner Hefte. Dresden 1996. S. 22). Technikbedingt partiell unscheinbar wellig, mit Reißzwecklöchlein in den Ecken und mittigen Randbereichen. Verso atelierspurig. Maße: 36,8 x 27,5 cm, Ra. 60 x 50 cm. Zzgl. Folgerechts-Anteil 2,5 %. Curt Querner 1904 Börnchen – 1976 Kreischa Maler und Zeichner der Neuen Sachlichkeit. 1918–26 Lehre und Arbeit als Schlosser. Ab 1926 Studium an der Dresdner Kunstakademie bei Richard Müller, Otto Dix und Georg Lührig. Aufgrund der zunehmenden Politisierung der Gesellschaft verließ Querner 1930 vorzeitig die Kunstakademie, wurde Mitglied der ASSO Dresden und trat kurzzeitig der KPD bei. 1931 erste Ausstellung in der Galerie Junge Kunst von Josef Sandel in Dresden. 1940–47 Soldat und französische Kriegsgefangenschaft. Ab 1947 wieder in Börnchen ansässig, da seine Wohnung, sein Dresdner Atelier und somit ein Großteil seiner Werke zerstört worden waren. Ende der 1940er Jahre wurden Arbeiten von der Galerie Neue Meister in Dresden sowie der Nationalgalerie Berlin erworben, dennoch erfuhr Querner erst ab den 1960er Jahren künstlerische Anerkennung vom offiziellen Kunstbetrieb, wobei er sich zeitlebens von diesem abgrenzte und an seiner Autarkie festhielt. Landschaften des Vorerzgebirges um Börnchen sowie dörfliche Motive und Porträts nach immer wiederkehrenden Modellen zählten zu seinen, vorrangig in der Aquarelltechnik ausgeführten, Hauptsujets. Erhielt 1971 den Käthe-Kollwitz-Preis und 1972 den Nationalpreis der DDR. In Dresden und Umgebung sind Werke Querners in ständigen und Jubiläumsausstellungen zu sehen.
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