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KAISERLICHE PORZELLANMANUFAKTUR WIEN "Terrine mit Deckel und Präsentierplatte aus dem Besitz von Baron Henri de Rothschild" Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien. Sorgenthal-Periode, um 1770–1810. Porzellan. Gestreckter, quergerippter Korpus mit reliefiertem, geschweiftem Rand. Polychromer, feinster Aufglasurdekor mit großen Sommerblumen-Bouquets im Stil der „Deutschen Blumen“ (Tulpen, Iris, Pfingstrosen) sowie gestreuten Einzelblüten. Die seitlichen, astförmigen Handhaben plastisch ausgeformt und in Grün und Purpur staffiert. Der gewölbte Deckel mit einem plastischen Knauf in Gestalt einer blattbesetzten Astschlinge mit purpurfarbener Schleife. Auf den Unterseiten der Stücke jeweils die charakteristische, blaue Unterglasurmarke des Wiener Bindenschilds („Bienenkorbmarke“) aus dem Zeitraum 1770–1810. Guter, altersgemäßer Erhaltungszustand mit minimalem krakelierten Glasurabrieb und produktionsbedingten Brennfehlern. Die große Vorlegeplatte weist einen mittig verlaufenden, fachmännisch restaurierten Haarriss auf. Die historisch bedeutenden Sammlungs- und Galerieetiketten sind altersbedingt gebräunt, jedoch einwandfrei lesbar. Provenienz: Sammlung Baron Henri de Rothschild (1872–1947), Paris (rückseitig mit den charakteristischen gedruckten Papieretiketten „COLLECTION de Monsieur le BARON HENRI DE ROTHSCHILD“ sowie jeweils zwei originalen roten Lacksiegeln, Maison Popoff Antiquités, Paris, 86 Faubourg Saint-Honoré (mit entsprechendem Galerieetikett auf Deckel- und Gefäßunterseite. Privatsammlung, Deutschland. Diese prachtvolle, museale Terrine mit zugehöriger Präsentierplatte besticht nicht nur durch ihre kunsthandwerkliche Qualität aus der Blütezeit der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Wien unter der Leitung von Konrad von Sorgenthal, sondern auch durch eine lückenlose und historisch faszinierende Provenienz. Das Ensemble stammt aus der berühmten Sammlung von Baron Henri James Nathaniel Charles de Rothschild (1872–1947). Als Mitglied des französischen Zweiges der legendären Bankiersdynastie ging Henri de Rothschild jedoch ungewöhnliche Wege: Er schlug eine hocherfolgreiche Laufbahn als Mediziner und Philanthrop ein, finanzierte unter anderem die Radiumforschung von Marie Curie und tat sich gleichzeitig als passionierter Kunstsammler, Theatergründer und Dramatiker hervor. Die auf den Unterseiten der Stücke angebrachten, charakteristischen Papieretiketten der Collection de Monsieur le Baron Henri de Rothschild sowie die originalen roten Lacksiegel zeugen von der akribischen Inventarisierung und dem hohen Stellenwert, den dieses kaiserliche Wiener Porzellan in seiner Pariser Sammlung einnahm. Der Weg der Terrine in den Kunsthandel spiegelt die tiefen Zäsuren des 20. Jahrhunderts wider. Nach der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg wurde der jüdische Baron vom Vichy-Regime ausgebürgert und sein gesamter Kunstbesitz von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurden die geraubten Schätze an die Erben restituiert. Ein Großteil dieser hochkarätigen Objekte wurde in der Nachkriegszeit über die Pariser Elite-Galerie Maison Popoff Antiquités im berühmten Faubourg Saint-Honoré veräußert, wovon das ebenfalls erhaltene Galerieetikett auf den Objekten berichtet. Somit vereint dieses Los meisterhafte Wiener Klassik mit einer Provenienz von weltgeschichtlicher Dimension.
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