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OSWALD HERZOG (1881 Haynau - 1946 Teplitz-Schönau) Liegender Akt Marmor. 33 x 57 x 30 cm. Rückseitig rechts auf Plinthe signiert: "O. Herzog" (geritzt). Alters- und Materialspuren, Plinthe stellenweise bestoßen, insgesamt guter Erhaltungszustand. Sehr seltene Arbeit des Künstlers in Marmor. Dazu Holzsockel, weiß gefasst, 61 x 52 x 30,5 cm. Oswald Herzog war Bildhauer und Kunsttheoretiker und Mitglied der Novembergruppe. Für seine kubistisch beeinflussten, auf geometrische Grundformen reduzierten Plastiken prägte er einen eigenen Begriff, den des abstrakten Expressionismus, und arbeitete ihn in Schriften wie „Plastik, Sinfonie des Lebens" aus. 1937 diffamierten ihn die Nationalsozialisten als „entartet" und beschlagnahmten eine Arbeit aus der Alten Nationalgalerie. Die liegende Figur verweigert sich der anatomischen Beschreibung zugunsten einer rein rhythmischen Formfindung. Herzog löst den menschlichen Körper nicht in geometrische Grundformen auf, wie es der Kubismus tut, sondern folgt dem, was er selbst das „Gesetz der Kurve" nennt: Die Übergänge zwischen Kopf, Rumpf und Gliedmaßen sind nicht als anatomische Gelenke gestaltet, sondern als fließende, sich ineinander verschlingende Schwünge, die den ganzen Marmorblock in eine einzige, durchgehende Bewegung überführen. Charakteristisch für Herzogs Verständnis von „Expressionismus" ist dabei, dass diese Bewegung nicht Abbild einer äußeren Handlung ist, sondern unmittelbarer Ausdruck eines inneren Bewegungsimpulses selbst wird - die Form drückt nicht eine Emotion oder Haltung aus, sie ist die Bewegung. Damit führt die Arbeit bis an die Grenze zur Abstraktion, ohne sie zu überschreiten. Das Thema des Aktes bleibt erhalten - Gewicht, Ruhe, das Sich-Ausstrecken -, während die Form sich davon löst und einem eigenen Rhythmus folgt. Aus jeder Richtung ergibt sich eine andere Ansicht, und die Durchbrüche lassen den Stein leichter erscheinen, als er ist. Ausgeführt in weißem Marmor mit feiner grauer Äderung, die Oberfläche matt geschliffen, an einigen Stellen sind die Werkzeugspuren stehengeblieben. Arbeiten Herzogs in diesem Material sind ausgesprochen selten. Anders als bei einem Bronzeguss, der in Auflage erscheint, gibt es diese Figur genau einmal.
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